Rainer Gawlick ist neuer Marketingleiter bei IntraLinks (IntraLinks, 10:57)
Was von dieser Medienwoche blieb.
Schelte - Mit einer solchen hat Altverleger Alfred Neven DuMont (Kölner Rundschau) auf den freundlichen Applaus der Verlegerverbände auf die jüngste Änderungsnovelle des Rundfunkstaatsvertrages reagiert - und bei Kollegen breiten Rückhalt gefunden. Wer BDZV und VDZ schon bisher für ziemliche Schlaffis hielt, konnte sich jetzt bestärkt sehen. Die Funktionäre hätten die Ergebnisse wesentlich schärfer kommentieren müssen, ärgerte sich die zahlende Mitgliedschaft. Die im Rundfunkstaatsvertrag getroffenen Regelungen seien allzu bürokratisch, die Aufsichtsgremien blieben zahnlos und die bisherige finanzielle Deckelung für Internetabenteuer sei gleich ganz verschwunden. Unterstützung für die freie Presse sehe anders aus, raunt es in Verlegerkreisen. Diese, Burda an der Spitze, überlegen jetzt eine "enge Begleitung", zu deutsch: wenn ARD/ZDF die Bestimmungen verletzen, wird geklagt. Aber auch eine solche Ankündigung hätte eigentlich von den Verbänden kommen müssen.
Verblüffung - Diese herrschte zunächst, als die WAZ jüngst ihre drastischen Sparpläne bekannt gab. Ausgerechnet die WAZ. Irgendwie hatte man ja immer gedacht, wenn einer sparen kann, dann die - und jetzt sowas? Auf der anderen Seite war schon auffällig, wie viel Personal bei der WAZ für alles und jedes zuständig war, ohne dass immer gleich klar wurde, ob die Kollegen auch ausgelastet sind. Jetzt nutzen die Geschäftsführer Christian Nienhaus und Bodo Hombach das weite Deckmäntelchen der unvermuteten Krise zum Großreinemachen und zur Fortstrickung der alten Mär, man wolle die gutgefüllte Kriegskasse noch weiter auffüllen, etc. Die Wahrheit ist profaner: Die Essener müssen sparen.
Konsolidierung - So könnte das Zauberwort des Jahres heißen. Gruner + Jahr hat angekündigt, sein Portfolio auszuflöhen - das hat so was wie Signalcharakter: Insider rechnen kurzfristig mit Nachahmereffekten und langfristig mit einer spürbaren Entleerung der Auslage der Bahnhofsbuchhandlungen. Am Ende werden nur die Umsatz- und Ertragsbringer unter den Magazinen überleben, Grenz- und schwächelnde Kostgänger trifft ein finales Schicksal. Die Banken tragen nicht allein Schuld. Die Anzeigenflaute beschleunigt diese Entwicklung nur, sie wäre ohnehin gekommen. Denn multimediale Markenpflege kann unmöglich bei Tausenden von Medienmarken geleistet werden - sie muss sich auf die Dickschiffe beschränken. Wem dieses Prinzip unheimlich erscheint, der werfe einen Blick auf die Markenpolitik bei Nestle, Procter & Gamble, Henkel und Co.
Grosso - Vielleicht mag sich der Eine oder Andere in den vergangenen Tagen gewundert haben, warum etliche führende Angestellte des Hamburger Bauer Verlages ausgerechnet diesen in der Presse geradezu mit Invektiven überzogen. "Die ruhen sich auf ihrer Monopolstellung aus" (Yvonne Bauer) - soviel Grosso war nie in der Fachpresse. Der Grund: Die Festung sollte sturmreif geschossen werden, tagten doch gestern Verleger und Grosso gemeinsam in Hamburg. Sollte die Bauers die Erwartung aber gehabt haben, die Presselieferanten beugten sich dem Trommelfeuer, so dürfte sie eher enttäuscht worden sein. Herausgekommen sei erstmal - nichts, heißt es. Nicht ausgeschlossen, dass Yvonne Bauer und Andreas Schoo jetzt wieder "Horizont" und FTD bemühen.
Anzeigenkonjunktur - Tja, sie gibt sich rätselhaft. Im kommenden Jahr fährt sie erstmal runter, aber 2010 könne es schon wieder nach oben gehen, hofft zumindest Price Waterhouse Cooper in seiner jüngsten Studie (German Entertainment and Media Outlook 2008 bis 2012): Nett gemeint, es wird den Beratungsaufträgen helfen, aber sicher ist nur eines: Die besten Zeiten sind vorbei, das ganze Anzeigenthema bleibt volatil und immer enger an die Wirtschaftsläufe gekoppelt. Sonderkonjunkturen in Folge von Wiedervereinigung oder Deregulierung von Branchen wie einst Energie oder Telekommunikation gibt es nicht mehr. Sicher ist auch: Online Advertising ist entzaubert: Wachstumsrate ja, Wunder nein. Online spielt im Werbekonzert natürlich künftig eine Geige, schwingt aber nicht den Taktstock. Wer im Internet künftig richtig Asche machen will, muss über kreativere Möglichkeiten nachdenken.