Vermischtes
dpa

Hamburger Medienkongress rückt Pressefreiheit in Fokus

Bei etlichen Medienveranstaltungen steht in diesem Jahr besonders ein Thema im Fokus: die Pressefreiheit. Viel Aufmerksamkeit wird ihm auch beim Jahrestreffen der internationalen IPI-Pressevereinigung in Hamburg geschenkt.

Hamburg (dpa) − Die Zukunft von Pressefreiheit und Qualtiätsjournalismus prägen von Donnerstag an einen internationalen Medienkongress in Hamburg. Zu der Veranstaltung werden nach Angaben des International Press Institute (IPI, Wien) mehr als 300 Teilnehmer erwartet. „Es ist gut, dass die Pressefreiheit sowie die Qualität der Medien in der Öffentlichkeit derzeit sehr präsent sind. Aber es ist besorgniserregend, dass durch politischen Druck beides in Gefahr gerät“, sagte die IPI-Direktorin Barbara Trionfi der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. 

 

Zur Eröffnung (16.30) soll neben Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Carl-Eugen Eberle von der IPI-Deutschlandsektion auch Nazire Kalkan Gürsel zu Wort kommen. Ihr Mann Kadri Gürsel, Kolumnist der türkischen Tageszeitung „Cumhuriyet“ und IPI-Vorstandsmitglied, ist in der Türkei inhaftiert − wie mehr als 150 weitere Journalisten, darunter auch „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel. „In vielen Ländern unserer Erde leiden Journalisten derzeit so sehr unter staatlicher Repression, wie schon lange nicht mehr“, urteilte Scholz in der Einladung zum Kongress. „Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, den Wert und die Bedeutung einer freien und aufgeklärten Presse für unsere offene und demokratische Gesellschaft vor Augen zu führen.»

Bei Beschränkungen der Pressefreiheit gehe es vordergründig nicht mehr allein um Gesetze oder Zensur, sondern vor allem um subtile Einschüchterungsmethoden, berichtete Trionfi. Ein Beispiel hierfür seien Angriffe auf Journalisten über soziale Medien, um deren Ruf zu schädigen. In Osteuropa und Südafrika würde Druck auf Anzeigenkunden kritischer Medien ausgeübt, um die finanzielle Basis der Verlage zu schwächen. Daher werde eine Fragestellung in den zahlreichen Diskussionsrunden am Freitag sein: „Wie retten wir Qualitätsjournalismus und wozu brauchen wir ihn?“, ergänzte die IPI-Managerin.

Das Institut wurde nach dem Zweiten Weltkrieg 1950 gegründet, in der festen Überzeugung, dass eine freie Presse zu einer friedvolleren Welt beitragen werde. Es organisierte zum Beispiel 1954 das erste bilaterale Treffen französischer und deutscher Verleger. Heute zählt die Organisation nach eigenen Angaben rund 800 Mitglieder.