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Job, Geld, Zukunft: Wie Medienprofis durch 2026 kommen

Job, Geld, Zukunft: Wie Medienprofis durch 2026 kommen Attila Albert

Geopolitische Krisen, wirtschaftlicher Druck und struktureller Wandel prägen die Branche. Karrierecoach Attila Albert zeigt, wie Journalistinnen und Journalisten sich beruflich und persönlich auf ein herausforderndes Jahr einstellen können.

Berlin – In jedem Jahreswechsel liegt das Versprechen, dass mit dem 1. Januar eine neue und hoffentlich bessere Zeit anbrechen könnte. Die Fundamentaldaten und übergreifenden Trends – geopolitische Verschiebungen, Strukturkrise der Gesamtwirtschaft, Defizite und Schuldenstände der öffentlichen Haushalte, gesellschaftliche Polarisierung – deuten allerdings darauf hin, dass 2026 noch einmal schwieriger als die Vorjahre werden wird. Für die Berichterstattung sind alle Aspekte davon Dauerthemen. Für jeden Medienprofi stellt sich individuell aber auch die Frage: Was bedeutet das für mich, wie gehe ich damit um? Für sie sind zudem die Branchentrends zu berücksichtigen, um zumindest persönlich zukunftsfähig zu bleiben. In meiner ersten Kolumne des neuen Jahres dazu einige Anregungen – für einen trotzdem zuversichtlichen, pragmatischen Blick.

 

Umbrüche, Unruhe: Relevanz für einen selbst prüfen
Die bisherigen Entwicklungen und die absehbaren Herausforderungen 2026 können einen – je nach Persönlichkeit – verzweifeln lassen, ängstigen, sorgen oder aufregen. Je mehr man die Nachrichten mitverfolgt und sich an den Diskussionen beteiligt, desto stärker wird man dabei hineingezogen. Hilfreich ist das allerdings nicht. Sie vergeuden damit Kraft und Zeit, die Sie brauchen, um beruflich und privat erfolgreich zu sein (was zudem auch ein Beitrag zur Verbesserung der Gesamtlage ist). Beste Strategie: Konzentrieren Sie sich voll auf das, was Sie beruflich und privat betrifft und was Sie beeinflussen können. Damit lösen Sie reale Probleme, gewinnen an Zuversicht und können dann auch anderen besser helfen.

 

Innere Aufregung: Gesunde Routinen einplanen
Schon von Berufs wegen können sich Journalisten nicht ganz der Nachrichtenlage entziehen, und die meisten wollen das auch nicht. Ständige innere Aufregung und Angst fördern allerdings eine apokalyptische Weltsicht – dass alles immer schlimmer wird und seinem Ende zugeht –, die auch nicht realistisch ist. Daher ist fortlaufend ein Gegengewicht notwendig, das einen immer wieder ermutigt und stärkt. So kann man auch dramatische Ereignisse zur Kenntnis nehmen und bewältigen. Beste Strategie: Planen Sie mehrere Erholungszeiten pro Woche ein, die Ihren Blick wieder aufs große Ganze lenken (z. B. Abendspaziergang mit dem Partner, Ausflug in die Natur, Kirchenbesuch).

 

Stellenabbau: Eigene Spezialisierung ausbauen
Auch in diesem Jahr ist davon auszugehen, dass die Medienhäuser in der Summe weiterhin Stellen streichen. Besonders bedroht sind generalistische und operativ angelegte Stellen in Redaktionen (z. B. News-, Politik- oder Wirtschaftsredakteure), Produktion (z. B. Grafiker, Layouter) sowie in Verwaltung, Verkauf und IT, die sich leicht automatisieren oder auslagern lassen. Dagegen kann es in einzelnen Bereichen sogar mehr Stellen geben (z. B. für Daten- und Investigativrecherche, Produktmanagement, KI-Implementierung). Beste Strategie: Die eigene Spezialisierung aktiv vorantreiben, um sich abzusetzen. Besonders vielversprechend sind alle Tätigkeiten, die dem Arbeitgeber dabei helfen, seinen Umsatz zu steigern.

 

Stagnierende Einkommen: Nebenverdienst aufbauen
Wegen der weiter steigenden Lebenshaltungskosten (z. B. für Nah- und Individualverkehr, Lebensmittel) und des absehbaren Anstiegs der Beiträge für Sozialversicherungen sowie die Krankenkasse müssen viele Arbeitnehmer 2026 mit einem geringeren Nettoeinkommen rechnen. Zu einem gewissen Grad lässt sich das durch Einsparungen bei den Ausgaben auffangen, aber ein Nebenverdienst (z. B. Buch schreiben, nebenbei Dozent, Redner oder Workshopleiter) vergrößert die eigenen Möglichkeiten wieder. Beste Strategie: Sich einen wöchentlichen Termin im Kalender reservieren, um eine überzeugende Geschäftsidee zu entwickeln, zahlende Kunden dafür zu gewinnen und die Aufträge umzusetzen.

 

Schuldengefahr: Investieren statt konsumieren
Bereits im vergangenen Jahr ist die Zahl der überschuldeten Menschen erstmals seit 2018 gestiegen. Überschuldung betrifft nun zunehmend auch diejenigen mit mittleren oder sogar überdurchschnittlichen Einkommen. Die Jüngeren wegen unüberlegter Konsumausgaben (z. B. für Mode, Elektronik, Reisen), die Älteren wegen Überschätzung ihrer Möglichkeiten (z. B. teure Urlaube neben hoher Miete bzw. Immobilienkredit). Angesichts der wirtschaftlichen Lage ist zu erwarten, dass sich dieser Trend verstärkt. Beste Strategie: Möglichst viele Konsumausgaben in Investitionen verwandeln, z. B. das Urlaubsbudget halbieren und das Gesparte für eine Kapitalanlage oder Weiterbildung nutzen. Das bringt Rendite.

 

Schwierigere Stellensuche: Branchennetzwerk ausbauen
Die Suche nach einer neuen bzw. besseren Stelle ist insbesondere für zwei Altersgruppen schwieriger geworden. Die Jüngeren (unter 30) erleben, dass noch mehr ihrer Aufgaben an Praktikanten oder KI delegiert werden, während die bisherigen Aufgaben der „Seniors“ (über 50) nun an die mittleren Jahrgänge (Mitte 30 bis Mitte 40) gehen, die weniger kosten und die angestrebte Verjüngung der Teams fördern. So tun sich diese Altersgruppen besonders schwer damit, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Beste Strategie: Das eigene Netzwerk ausbauen, um die Chancen zu erhöhen, u. a. durch angestoßene Treffen mit Führungspersönlichkeiten sowie Unternehmens- und Branchenveranstaltungen.

 

Thematische Verschiebungen: Neuen Fokus finden
Schon im vergangenen Jahr war spürbar und auch in Umfragen ablesbar, dass viele der bisherigen Trendthemen (z. B. DEI, ESG, Klima) an Bedeutung verlieren und sich politische Verschiebungen verfestigen. Das wird sich fortsetzen und hat für Medienprofis – unabhängig von ihren persönlichen Präferenzen – Konsequenzen. Wer sich auf auslaufende Themen spezialisiert hat, braucht eine Alternative oder einen neuen Ansatzpunkt, um weiter gefragt zu sein. Beste Strategie: Eine mindestens jährliche Standortbestimmung (z. B. mit einem Mentor oder Coach), um zu reflektieren, ob man noch zeitgemäß positioniert ist und Ansichten sowie Prioritäten überdenken sollte.

 

Sichtbarkeit: Professionelles Selbstmarketing
Eine aktive Präsenz auf LinkedIn – und eventuell zusätzlich auf Xing – ist heute Standard. Das heißt jedoch nicht, dass man dort fortlaufend Beiträge veröffentlichen oder teilen muss. Das eigene Profil sollte 2026 allerdings aktuell und detailliert ausgefüllt sein (z. B. mit einer Auflistung aller beruflichen Stationen und Tätigkeitsschwerpunkte). Der Algorithmus belohnt besonders emotionale oder kontroverse Beiträge, die jedoch nicht immer dem professionellen Ruf oder Ziel (z. B. Stellensuche) dienen. Beste Strategie: In der beruflichen Außendarstellung auf ein bis zwei Themen konzentrieren, die zum Kern der eigenen Tätigkeit passen. So werden Sie als Experte wahrgenommen und knüpfen relevante Kontakte.

 

Zur vergangenen Kolumne: Karriere-Check

 

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

www.media-dynamics.org 

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