Jobs
Newsroom – Roland Karle

Arbeitsmarkt Wirtschaftsjournalismus 2026: Anforderungen, Chancen und Trends

Arbeitsmarkt Wirtschaftsjournalismus 2026: Anforderungen, Chancen und Trends Maja Brankovic, stv. Chefredakteurin der „Wirtschaftswoche“ (Foto: Jann Höfer)

Der Arbeitsmarkt im Wirtschaftsjournalismus wird anspruchsvoller: Redaktionen suchen gezielt nach analytischen, neugierigen Profilen, sagt Maja Brankovic. Ein Überblick über Anforderungen, Trends und Chancen im Beruf.

Berlin – Der Arbeitsmarkt im Wirtschaftsjournalismus verändert sich spürbar: Redaktionen stellen selektiver ein und erwarten mehr als solide Schreibe und Fachwissen. Welche Profile gefragt sind, welche Fähigkeiten zählen, wie sich Gehälter entwickeln und welche Rolle KI spielt: Die aktuelle „Wirtschaftsjournalist:in“ stellt zehn Fragen und gibt Antworten zum Einstieg, zur Karriere und zu den Perspektiven im Beruf – ergänzt um Erfahrungen und Ratschläge führender Chefredakteurinnen und Chefredakteure.

 

1. WIE IST DIE LAGE AUF DEM ARBEITSMARKT?
Es sei schwieriger geworden für junge Wirtschaftsjournalisten, eine Stelle zu finden, stellt Ulric Papendick fest. „Das höre ich von mehreren Absolventen“, so der geschäftsführende Direktor der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft (KJS). Es dauere länger, und die Redaktionen sind auch wählerischer geworden. Sie wollen am liebsten Leute einstellen, die schon Berufserfahrung und ein Netzwerk an Informanten mitbringen. „Andererseits beobachte ich, dass unsere Absolventen zwar manchmal länger nach einer Stelle suchen als vor ein, zwei Jahren, aber doch etwas finden.“

 

Noch vor wenigen Jahren waren versierte Wirtschaftsjournalisten mit guter Schreibe und dem berühmten Adressbuch knapp und entsprechend gefragt, sagt Jessica Bunjes, Senior-Personalberaterin bei Hapeko mit Fokus auf Medien und Kommunikation. „Heute reicht das nicht mehr. Profile, die sich über klassische Redaktionsarbeit definieren und weder Tempo noch Formatvielfalt mitgehen, sind nicht mehr gefragt.“ Arbeitgeber legen Wert darauf, dass Wirtschaftsjournalisten „Relevanz extrem schnell erkennen, selektieren und passend ausspielen können“, so Bunjes.

 

2. WAS WIRD VON WIRTSCHAFTSJOURNALISTEN GEFORDERT?
Georg Meck, Chefredakteur „Focus“ und „Focus Money“, fasst sich kurz: „Fundierte Sachkenntnisse, dazu originelle Gedanken und ein Gefühl für die Sprache – schon stehen alle Türen offen.“ Und digitale Kompetenzen, fügt er hinzu, seien heute selbstverständlich.

 

Wie sehen die aus? Gefordert sind dabei breitere Fähigkeiten, sagt „Capital“-Chefredakteur Timo Pache, etwa „unterschiedliche Formate mitzudenken: eine durchgeschriebene Geschichte, in der aber vielleicht auch noch ein Interview steckt, das man eventuell sogar als Video oder Podcast ausspielen kann. Außerdem die Umsetzung für LinkedIn oder andere Social-Media-Kanäle“.

 

Für Maja Brankovic „beginnt alles mit echter Neugier“. Gute Wirtschafts- und Finanzjournalisten sind getrieben von ihrem Willen, so viel wie möglich zu verstehen. „Sie fragen hartnäckig: Warum ist das so? Was bedeutet das? Und was hängt daran?“ Außerdem sind, so die stellvertretende Chefredakteurin der „Wirtschaftswoche“, guter Stil und fachliche Kompetenz weitere zentrale Eigenschaften.

 

In einer Welt voller KI-generierter Inhalte, darauf verweist Kirsten Ludowig, „gewinnen exklusive Informationen, Tiefe und Verlässlichkeit im Journalismus an Wert – und damit die klassischen Reportertätigkeiten Netzwerken und Recherchieren“. Die stellvertretende „Handelsblatt“-Chefredakteurin schaut genau hin: „Ist jemand offen, neugierig, hartnäckig, gründlich und bereit, die Extrameile zu gehen? Hat er/sie das schon unter Beweis gestellt?“

 

„Zeit“-Wirtschaftschef Roman Pletter betont die Bedeutung von inhaltlicher Expertise und Spezialisierung. „Sie versetzen Autorinnen und Autoren gerade im tagesaktuellen Geschäft in die Lage, schnell zu reagieren. Ich freue mich deshalb immer sehr, wenn Bewerber VWL, BWL, Jura oder ein Ingenieurstudium absolviert haben.“

 

Neben den fachlichen Fähigkeiten, also Zahlen verstehen, das Funktionieren von Wirtschaft durchdringen, das Wechselspiel zwischen Wirtschaft und Politik erkennen, stellt „Finanztip“-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen eine weitere Eigenschaft heraus: „Junge Wirtschafts- und Finanzjournalisten müssen sich heute noch viel besser als früher selbst vermarkten können.“

 

Bei der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) achtet man stark auf exzellente Schreibe und ein besonderes Gefühl für Sprache. Auch Wirtschaftsjournalisten „müssen in der Lage sein, einen eigenen Sound zu entwickeln“, so Alexander Mühlauer, Ressortleiter Wirtschaft.

 

3. MIT WELCHEM PROFIL HAT MAN DIE BESTEN CHANCEN?
Beim Profil sei sie ziemlich unideologisch, sagt WiWo-Vize Maja Brankovic. „Es ist mir wirklich egal, ob jemand mit 15 schon die Schülerzeitung herausgegeben hat. Viel wichtiger ist ein wacher, begeisterungsfähiger und origineller Geist.“ Aber jede Zeit habe auch ihre Trends, was bestimmte Fähigkeiten verlangt. „Die geopolitische und wirtschaftliche Lage ist gerade sehr komplex, und sie wird es wohl auch bleiben. Das macht analytische Köpfe mit tiefem Verständnis volkswirtschaftlicher Zusammenhänge besonders spannend.“

 

Das Handwerk sollte man gelernt haben, in einem Volontariat oder an einer Journalistenschule, sagt „Handelsblatt“-Vize Kirsten Ludowig. „Wirtschafts- oder Finanzprofi muss niemand sein, aber Lust darauf haben, es zu werden.“ Und: „Resilienz wird zur Schlüsselkompetenz“, folgert sie aus all den Krisen und der Desinformation, der schwindenden Pressefreiheit und dem hohen Veränderungsdruck.

 

Für „Capital“-Chef Timo Pache bleibt ein thematisches Profil wichtig, zum Beispiel durch Expertise in bestimmten Industrien und Branchen oder ein besonderes Interesse für Nutzwertthemen. Um ein guter Wirtschaftsjournalist zu sein, erklärt SZ-Ressortleiter Alexander Mühlauer, müsse man nicht unbedingt VWL oder BWL studiert haben. Das Wirtschaftsressort der SZ sei offen für Menschen aus allen Fachrichtungen. „Neue Ideen und Impulse tun uns gut, genauso wie unterschiedliche Biografien und Hintergründe, die Menschen mitbringen.“

 

Moritz Seyffarth, Chefredakteur „Business Insider“ (BI), hat klare Erwartungen an Wirtschafts- und Finanzjournalisten, was ökonomisches Fachwissen betrifft. „Wer Zusammenhänge nicht versteht, kann sie auch nicht erklären – egal, welche Tools zur Verfügung stehen.“

 

4. Braucht es mehr als früher Multitalente?

5. Welche Rolle spielt KI für den Beruf?

6. Wie werden Redaktionen auf Talente aufmerksam?

7. Wie gut verdienen Wirtschaftsjournalisten?

8. Was tun, wenn es nicht auf Anhieb mit einem Job klappt?

9. Werden Jobs in der PR zunehmend zu einer Alternative?

10. Was wird im Wirtschaftsjournalismus künftig besonders gefragt sein?

Zu den Antworten




Sie möchten aktuelle Medien-News, Storys und Praxistipps lesen – und sich über Jobs, Top-Personalien und Journalistenpreise aus Deutschland informieren? Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter.

 

Sie haben Personalien in eigener Sache oder aus Ihrem Medienhaus? Oder ist Ihnen in unseren Texten etwas aufgefallen, zu dem Sie sich mit uns austauschen möchten? Dann senden Sie Ihre Hinweise bitte an georg.taitl@oberauer.com.




Top Meldungen aus Jobs