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Ewig müde? So finden Medienprofis zu neuer Energie zurück

Ewig müde? So finden Medienprofis zu neuer Energie zurück

Stress, Überarbeitung, gesundheitliche Probleme oder fehlende Motivation: Dauerhafte Erschöpfung kann viele Ursachen haben. Karrierecoach Attila Albert zeigt, woran sie liegen kann – und welche Strategien helfen, Schritt für Schritt wieder mehr Energie und Zuversicht zu gewinnen.

Berlin – Eine allgemeine Erschöpfung sowie individuelle Müdigkeit gelten als Phänomene unserer Zeit, und jeder könnte seine Gründe dafür anführen. Allerdings stellte Kommunikations- und Motivationstrainer Dale Carnegie (1888 bis 1955) schon 1948 in seinem Klassiker „Sorge dich nicht – lebe!“ fest, dass „die allgemeine Müdigkeit mit erstaunlicher Geschwindigkeit wächst“. In einem Kapitel gibt er darin Empfehlungen, ständige Müdigkeit zu überwinden, wieder energiegeladen und gut gelaunt zu sein. „Ruhen Sie sich häufig aus. Ruhen Sie sich aus, ehe Sie müde werden“, ist sein wichtigster Rat. „Sollten Sie mittags kein Schläfchen machen können, legen Sie sich wenigstens vor dem Abendessen eine Stunde hin.“

 

Zudem solle man sich nicht unnötig aufregen: „Sorgen, Anspannung und Aufregung sind die drei Hauptursachen für Ermüdung“, meinte Dale Carnegie. „Sparen Sie Ihre Energie für wichtige Dinge.“ Für unsere Zeit könnte man daraus den Ratschlag nehmen, sich nicht jede Krise und Diskussion auf der Welt zu eigen zu machen und zum Anlass zu nehmen, sich zu sorgen, zu ängstigen oder aufzuregen. Wenn man sie weder verursacht noch einen Einfluss darauf hat, wird man sich nur selbst erschöpfen, aber noch nicht einmal im eigenen Leben etwas verbessern oder andere umstimmen. Es handelt sich hier also um ein Plädoyer dafür, sich pragmatisch auf das selbst Veränderbare zu konzentrieren.

 

Schließlich nennt Carnegie vier einfache Arbeitsgewohnheiten, die vor ständiger Müdigkeit schützen sollen: 1. Alle Unterlagen vom Schreibtisch zu räumen, die nicht unmittelbar zur aktuellen Arbeit gehören; 2. Aufgaben in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit zu erledigen; 3. Entscheidungen zu treffen, sobald man die notwendigen Informationen hat, anstatt Probleme aufzuschieben, sowie 4. das Organisieren, Delegieren und Beaufsichtigen zu lernen. Hier geht es also um Klarheit, Prioritäten, Einfachheit und Effizienz, wie sie auch heute im Berufs- und Privatleben sinnvoll sind. Beispiel: eine geordnete, aktuelle Ablage für alle Unterlagen (ich nutze Google Drive und Asana) statt eines chaotischen Desktops.

 

Körperliche Ursachen: Vom Arzt klären lassen

Aus heutiger Sicht würde man den biologischen Aspekt ergänzen. Ständige Müdigkeit kann auch körperliche Ursachen haben – von Stoffwechselstörungen (z. B. Eisenmangel trotz ausreichender Ernährung) über verschleppte Infektionen bis hin zu schweren Erkrankungen. Wer vermutet, dass er krank sein könnte, sollte sich von einem Arzt untersuchen lassen. Von Selbstdiagnosen per Google oder KI-Chat ist wegen der hohen Fehlerrate abzuraten. Empfehlung: Krankmeldungen nicht dazu nutzen, der Klärung eines Konfliktes (z. B. mit dem Chef) oder einer überfälligen Veränderung auszuweichen. Eine einvernehmliche Lösung wird schwieriger, wenn man monatelang nicht mehr zur Arbeit gekommen ist.

 

Ungesunder Lebensstil: Graduell verbessern

Jedem ist klar, dass ein ungesunder Lebensstil ebenfalls dazu beitragen kann, dass man sich ständig müde fühlt: übermäßiges Essen und Trinken, kaum Bewegung, zu wenig Schlaf. Wer hier Defizite hat, weiß das selbst, tut sich aber häufig schwer damit, das zu ändern – insbesondere in beruflich oder privat stressigen Phasen. Beim Sportstudio hat man sich zwar schnell angemeldet, bezahlt dann aber eventuell nur die Beiträge, ohne es je zu nutzen. Empfehlung: graduell verbessern (z. B. jeden Abend ein kleiner Spaziergang, so lange es fürs Laufen nicht reicht; zur Massage gehen oder eine Meditations-App nutzen, um sich zu entspannen, wenn der Yogakurs aktuell zu viel ist). Jede kleine Aktivität hilft bereits.

 

Überarbeitung: Nicht auf spezielle Auszeiten warten

Überstunden werden heute weniger gemacht, dafür haben sich die Arbeitstage verdichtet: mehr zu bedenken und zu erledigen, technische Zusatzarbeiten aller Art (z. B. SEO- und GEO-Optimierung der Beiträge, Social Media, Newsletter), kleinere Teams. Mancher ist eigentlich ständig überarbeitet, ohne sich das einzugestehen, und rettet sich in Urlaube, Sabbaticals, eventuell auch in Elternzeiten. Das kann lange Zeit funktionieren, ist aber sicher nicht nachhaltig. Empfehlung: Arbeitsbelastung und Erholungszeiten so gestalten, dass man sich innerhalb der laufenden Woche weitgehend wieder regeneriert. Gelingt das kaum, braucht es eine echte Veränderung (z. B. Aufgaben abgeben, Arbeitszeit reduzieren).

 

Psychische Probleme: Ursachen erkunden

Manches, das man selbst für Müdigkeit hält, ist eher empfundene Hilflosigkeit, Resignation, Enttäuschung oder Trauer (z. B. wegen einer verlorenen Stelle oder eines gescheiterten Projekts). Hier geht es also um psychische Probleme, ohne dass diese gleich medizinisch relevant sein müssen. Sie können sich auf individuelle Herausforderungen beziehen, aber auch in einer generell pessimistischen oder idealistischen, damit oft enttäuschten Weltsicht begründet sein. Empfehlung: Ein Persönlichkeits- oder Verhaltenstest unterstützt die Selbstreflexion und kann Glaubens- und Denkmuster aufzeigen, die wie Müdigkeit erscheinen. Danach hilft professionelle Begleitung (Coach, Therapeut) weiter.

 

Unzufriedenheit: Wieder an etwas glauben lernen

Nicht zuletzt ermüdet chronische Unzufriedenheit, sei es wegen geistiger oder kreativer Unterforderung und damit Langeweile, wegen fehlender Unterstützung beziehungsweise schwieriger Chefs und Kollegen oder wegen des Eindrucks, nichts Sinnvolles zu tun. Einige Zeit kann man sich darüber aufregen und rebellieren, wer aber mittelfristig nichts verändert, resigniert schließlich und fühlt sich „nur noch müde“. Empfehlung: Hoffnungslosigkeit weist auf ein Motivationsproblem hin und im Kern darauf, dass man an nichts mehr glauben kann – zumindest an die eigene Kraft, dass man etwas erreichen und verbessern kann. Erfahrene Unterstützung (z. B. Mentor, spiritueller Begleiter) erweitert hier die Perspektive.

 

Zur vergangenen Kolumne: 6 Wege aus dem Arbeitschaos

 

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

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