Berlin – Wer aktuell nicht den beruflichen Erfolg hat, den er sich erhofft hat und für verdient hält, blickt oft enttäuscht, verletzt oder neidisch auf andere. Vielfach scheint es ihnen leichter zu fallen, oder sie scheinen sich unlauterer Mittel zu bedienen. Möglicherweise stellen sie sich gern und besonders vorteilhaft dar oder nutzen persönliche Kontakte für ihre beruflichen Ziele („Seilschaften“). Wer vor allem nach seiner Leistung beurteilt werden will, sieht darin ein fast betrügerisches Vorgehen. Doch für Stellenzusagen, Beförderungen und Auftragsvergaben braucht es mehr als professionelles Können (z. B. gutes Recherchieren und Schreiben). Soziale und kommunikative Kompetenzen sind ebenso wichtig.
Selbstvorstellung – Zuerst schriftlich ausarbeiten
Das persönliche Vorstellen – wer man ist und was man beruflich macht – bietet die Chance, flüchtige Begegnungen (z. B. bei einem Event) in Verbindungen zu verwandeln. Daraus können sich Freundschaften, Branchenkontakte, Stellen- und Auftragsangebote ergeben. Häufige Hürden: Ziellose, unnötig komplizierte Erklärungen verwirren das Gegenüber, während allgemeine, belanglose Aussagen einen blassen Eindruck hinterlassen und direkt wieder vergessen werden. Erster Schritt: Die Selbstvorstellung („Elevator Speech“) in zwei bis drei Sätzen ausarbeiten, auswendig lernen und beim Anwenden schrittweise verfeinern, damit sie immer präziser wird, dabei aber der natürlichen eigenen Wortwahl entspricht.
Präsentationen – Ergebnisse statt „viel Erfahrung“
Das Vorstellen des eigenen Angebotes ist ein Kernelement von Bewerbungen sowohl um Stellen als auch um Aufträge („Pitches“): Prägnant und überzeugend erläutern, mit welchen beruflichen Problemen man sich beschäftigt, wie man sie angeht und löst – und welche Verbesserungen das Gegenüber dadurch erwarten kann. Häufige Hürden: Unklarheit über den erwarteten Dreiklang (Problem, Lösung, Ergebnis) und die Annahme, dass es genügen müsste, wenn man frühere Stellen zufriedenstellend („viel Erfahrung“) ausgefüllt hat. Erster Schritt: Die bisherigen Tätigkeiten darauf analysieren, welche Probleme man damit gelöst hat und mit welchen Ergebnissen. Das gehört auch in den Lebenslauf und auf LinkedIn.
Netzwerken – Anfreunden, ehe man etwas braucht
Stellen und Projekte werden nicht an diejenigen vergeben, die (vermeintlich) objektiv am besten dafür geeignet sind. Persönliche, am besten sogar freundschaftliche Verbindungen, Sympathien und gegenseitige Gefallen spielen weiterhin eine entscheidende Rolle, vor allem bei ansonsten ähnlichen Qualifikationen. Häufige Hürden: Kaum Kontakte in der Branche, insbesondere nicht in andere Medienhäuser, und die Erwartung, dass Leistung allein ausschlaggebend sein müsste. Erster Schritt: In einer Tabelle auflisten, wen man kennt, geordnet nach Unternehmen (z. B. auch von früheren Stellen, ehemalige Kollegen inklusive Praktikanten und Volontäre). Das gibt einen Überblick, zeigt aber auch vorhandene Lücken.
Konversation – Sich für andere interessieren
Das Gespräch mit bisher Unbekannten gehört für Journalisten zur Recherche und wird mit dem beruflichen Aufstieg wichtiger. Dann geht es auch um den Aufbau und die Pflege von Kontakten zu Branchenkollegen und Geschäftspartnern, z. B. bei Kongressen. Häufige Hürden: Nicht wissen, wie man mit anderen ins Gespräch kommt und sich locker unterhält („Small Talk“), oft verbunden mit Unsicherheit und der Angst, sich zu blamieren. Erster Schritt: Regelmäßig zu Veranstaltungen gehen und sich vornehmen, mit Unbekannten ins Gespräch zu kommen. Eine einfache Frage („Waren Sie schon einmal hier?“, „Wie gefällt es Ihnen bisher?“) oder ein Kompliment, bezogen auf die Arbeit, sind ein guter Einstieg.
Sprachbeherrschung – Mehr Belletristik lesen
Die Sprache ist das Handwerkszeug jedes Journalisten und auch die Grundlage für Audio- und Videoformate. Der Grad der Beherrschung – Wortschatz, Ausdruck und Stil, korrekte Rechtschreibung und Grammatik – entscheidet darüber, wie verständlich, überzeugend und nuanciert er sich ausdrücken kann. Häufige Hürden: Auch Medienprofis lesen weniger, insbesondere hochwertige Texte, und verarmen dadurch sprachlich; Jugendsprache, Amerikanismen und wahllose Grammatik schleichen sich ein. Erster Schritt: Mehr lesen, insbesondere Belletristik (Erzählungen, Romane). Wer sich gar nicht mehr länger darauf konzentrieren kann, beginnt schrittweise und steigert seine Seitenzahl pro Woche.
Technikverständnis – Feste Zeiten für Neues einplanen
Neben redaktionellen Inhalten („Content“) sind im Zuge der Digitalisierung – und nun auch von KI – die Weiterentwicklung der Produktionsprozesse und der Präsentation dauerhaft präsent. Die Entwicklung bleibt hier nicht stehen, auch wenn man selbst davon genug hat, sie beschleunigt sich eher. Häufige Hürden: Sich nicht mehr weiterentwickeln, weil man seine eigenen Routinen gefunden hat (z. B. Arbeiten mit statischen Files statt kollaborativ mit Cloud-Dokumenten), sowie die Abwertung des Neuen („Braucht doch keiner“). Erster Schritt: Im Kalender feste Zeiten einplanen, in denen man sich mit neuen Technologien (z. B. KI) beschäftigt, insbesondere, wenn sie einem bisher noch schwerfallen.
Zur vergangenen Kolumne: Konflikte am Arbeitsplatz
Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.
Attila Albert