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Ärger um Kündigungen bei „Kölnischer Rundschau“

Ärger um Kündigungen bei „Kölnischer Rundschau“ Helmut Heinen (Foto: BDZV)

Gewerkschaften kritisieren DuMont und Heinen Verlag – Verlage weisen Vorwürfe zurück.

Köln – Die Journalisten-Gewerkschaften kritisieren DuMont und den Heinen Verlag nach dem Deal um die „Kölnischer Rundschau“ scharf, weil rund 30 Festangestellte ihren Job verlieren. Johannes Heinen dagegen verspricht „faire Abfindungen“.


„DuMont und Heinen Verlag schaden mit Auflösung der Redaktion der ‚Kölnischer Rundschau‘ der Pressevielfalt in NRW und kündigen über 50 Mitarbeiter*innen“, heißt es in einer Mitteilung von dju in ver.di am Donnerstagnachmittag. Damit ende der letzte Rest Eigenständigkeit der Zeitungsmarke „Kölnischer Rundschau“. Diese werde als Hülle künftig aus anderen Redaktionen des „Kölner Stadt-Anzeigers“ und des DuMont-Konzerns redaktionell gefüllt, so die Journalistengewerkschaft.

 

„Die Kaltblütigkeit der Geschäftsführung von DuMont und des ehemaligen BDZV-Präsidenten Helmut Heinen ist erschreckend“, sagt der dju-Co-Vorsitzende Lars Hansen und kritisiert, schon bei der Schließung der eigenen Druckerei durch DuMont im Herbst 2023 hätten sich rüdeste Methoden gezeigt. „Nun im Heinen-Verlag bei den Kündigungen mit Monatsfrist für die gesamte Redaktion einer Zeitungs-Institution im Rheinland zeigt DuMont und Heinen ein für ein Medienunternehmen unwürdiges Verhalten“, so Hansen.

 

Die Medienhäuser wehren sich gegen die Kritik. Johannes Heinen hält auf kress.de-Anfrage fest, dass von „der Beendigung der Redaktionsarbeit im Heinen-Verlag zum 31.03.2026 ca. 30 Personen betroffen sind“. Er legt zudem Wert auf die Tatsache, dass „bei allen Kündigungen die tariflichen Kündigungsfristen eingehalten werden, diese laufen teilweise bis zum Jahresende, niemandem wurde zum 31.03.2026 gekündigt. Zudem wird mit dem Betriebsrat ein Sozialplan verhandelt und abgeschlossen werden, um für alle betroffenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen faire Abfindungen zu vereinbaren.“ Neben den rund 30 Festangestellten sind auch freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen.

 

DuMont wehrt sich juristisch gegen die Darstellung der dju und fordert von der Gewerkschaft eine Unterlassungserklärung samt Aufforderung zur Gegendarstellung. „Es werden keine Kündigungen seitens DuMont in diesem Zusammenhang ausgesprochen. Daher ist die gegenteilige Behauptung in der Überschrift sowie im Text sachlich falsch“, teilt eine Sprecherin mit. Richtig sei, dass „mit einer digitalen Wachstumsinitiative im gesamten Verbreitungsgebiet von ‚Kölner Stadt-Anzeiger‘ und ‚Kölnischer Rundschau‘ neue regionale Webportale und Apps entstehen, die lokale Themen multimedial und fortlaufend aktualisiert publizieren.“ Dafür würden bei den „Kölner Stadt-Anzeiger Medien“ „rund 30 neue Jobs in interdisziplinären Teams geschaffen“.

 

DJV: Stellenabbau wäre vermeidbar gewesen

Differenzierter fällt die Kritik des DJV in Nordrhein-Westfalen aus. „Jenseits der desaströsen Auswirkungen für die Medienvielfalt in Köln werden hier beide Verlage ihrer sozialen Verantwortung für die Mitarbeitenden nicht gerecht“, kritisiert Geschäftsführer Volkmar Kah. „Selbst wenn man eine solche Zusammenlegung für unabdingbar hält, kann man das anders machen. So eine Entscheidung fällt nicht vom Himmel. Heinen und DuMont hätten sich in Verantwortung für die Menschen auch darauf verständigen können, im Rahmen eines ordentlichen Betriebsübergangs die nun bald arbeitslosen Kolleg:innen zu DuMont zu übernehmen und einen etwaigen Stellenabbau dann langfristiger ohne Kündigungen zu realisieren. Dafür ist DuMont groß genug, und Helmut Heinen wäre das seinen Leuten, mit denen er Jahrzehnte gutes Geld verdient hat, schuldig gewesen.“

 

DuMont hat am Donnerstagmittag mitgeteilt, dass man zum 1. April 2026 die Herausgeberschaft der „Kölnischer Rundschau“ (KR) und damit die redaktionelle Verantwortung übernimmt. Auf diesem Weg will das Unternehmen die traditionsreiche Tageszeitung langfristig als eigenständige publizistische Marke zukunftssicher aufstellen. Parallel baut die DuMont-Tochter „Kölner Stadt-Anzeiger Medien“ ihr digitales Geschäft aus und schafft dafür mehr als 30 neue Stellen.

 

 

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