Vermischtes
KNA

Anfeindungen gegenüber Journalisten nehmen weiter zu

Die Untersuchung „Strapazierter Journalismus“ dokumentiert Angriffe und Anfeindungen und deren Folgen für die redaktionelle Arbeit wie für die persönliche Situation von Medienschaffenden.

Leipzig (KNA) Angriffe und Anfeindungen gegenüber Journalistinnen und Journalisten nehmen weiter zu. Nach einer aktuellen Untersuchung des Leipziger European Centre for Press and Media Freedom und des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld haben knapp zwei Drittel der Befragten in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal persönlich Anfeindungen erlebt (65,4 Prozent). Mehr als die Hälfte wurden sogar mehrfach angefeindet, angegriffen oder bedroht.

 

Am häufigsten würden die Anfeindungen über digitale Kanäle wie Social Media oder per E-Mail verbreitet, heißt es in der Studie „Strapazierter Journalismus“, für die zwischen November 2025 und Februar 2026 insgesamt 383 Journalisten im Rahmen einer Online-Untersuchung befragt wurden. Viele gaben aber auch an, Anfeindungen und Gewalt von Angesicht zu Angesicht erlebt zu haben. Als Konsequenz sehen 60 Prozent der Befragten die Pressefreiheit in Deutschland teilweise oder voll und ganz in Gefahr.

 

Ziel der Anfeindungen waren demnach vor allem unspezifisch „die Medien“, es wurden aber auch gezielt konkrete journalistische Inhalte oder bestimmte Gruppen und Personen angegriffen, über die berichtet wurde. Über 70 Prozent der betroffenen Journalisten erlebten diese Anfeindungen als „ideologisch motiviert“. Knapp 80 Prozent ordneten die Anfeindungen „häufig oder sehr häufig einem politisch rechten Hintergrund zu“, heißt es in der Studie, knapp elf Prozent hatten danach einen linken Hintergrund. Eine religiöse Motivation machten 7,7 Prozent der Angefeindeten aus.

 

Ausstieg aus Journalismus-Beruf

Auswirkungen hat diese Situation sowohl auf persönlicher wie redaktioneller Ebene: So fühlt sich ein Drittel der Befragten persönlich belastet, 15 Prozent gaben laut der Studie an, aus Sorge vor Anfeindungen von bestimmten Themen bereits Abstand genommen zu haben. Knapp 40 Prozent – vor allem Journalistinnen – hätten bereits über einen Berufsausstieg nachgedacht.

 

Zudem sorge die Situation für eine angespannte Stimmung im Team oder der Redaktion. Gleichzeitig berichtet über ein Drittel, dass die schwierige Lage die Solidarität untereinander zum Teil deutlich gestärkt hätte. Lediglich bei einer Minderheit von 23,9 Prozent der Befragten seien dabei „Strukturen und Maßnahmen in ihrem Arbeitsumfeld eingeführt worden, um mit Anfeindungen umzugehen“.

Die allgemeinen Arbeitsbedingungen im Journalismus werden dabei von der überwiegenden Mehrheit der Befragten als zunehmend belastend eingeschätzt. Über 80 Prozent sind der Meinung, dass ihre Arbeit verdichteter geworden sei, auch weil oft parallel redaktionelles Personal abgebaut wurde. 56,6 Prozent geben zudem an, dass die Beschäftigungssicherheit eher abgenommen habe.

 

Ansprüche an journalistische Arbeit steigen

Gleichzeitig hätten sich die Anforderungen an die journalistische Arbeit insgesamt aber durch das veränderte politische Klima und den neuen, aggressiven Charakter der öffentlichen Debatten noch weiter erhöht. Die Verfasser der Studie empfehlen den Medienhäusern, verbindliche Ansprechpersonen für Anfeindungen, Bedrohungen und Angriffe in den Redaktionen zu benennen und transparente „Meldewege“ einzuführen. Außerdem müssten die psychologische und juristische Unterstützung für die Betroffenen verstärkt und die Kosten dafür von den Unternehmen übernommen werden.

 

Zum Schutz der persönlichen Daten empfiehlt die Studie, Firmenadressen statt privater Adressen für Presseausweise oder bei Akkreditierungen anzugeben. Auch im Schriftverkehr mit Behörden oder anderen Stellen sollten dienstliche Kontaktadressen genutzt und möglichst keine privaten Telefonnummern im dienstlichen Kontext eingesetzt werden.

 

Auch die Sicherheitsbehörden sollten sich der Rolle journalistischer Arbeit für demokratische Öffentlichkeit stärker bewusst sein. Dazu gehöre auch, Meldungen von Medienvertretern über Bedrohungen oder Angriffe ernst zu nehmen und professionell zu behandeln. Konkrete Ansprechpartner und Kontaktpersonen bei den Sicherheitsbehörden könnten dazu beitragen, Bedrohungslagen schneller zu klären und geeignete Schutzmaßnahmen besser und unbürokratischer einzuleiten.

 

 

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