Vermischtes
Newsroom – Marc Bartl

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner läutet neues Kapitel beim „Daily Telegraph“ ein

In der Belegschaft gibt es zugleich Unbehagen über mögliche Stellenverluste durch Digitalisierung und KI.

London – Bei einer Feier im Restaurant der Serpentine Gallery in London hat Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner nach eigenen Worten „das nächste Kapitel“ für den „Daily Telegraph“ eingeläutet. Das berichtet FAZ-Autorin Gina Thomas nach dem Empfang, zu dem Döpfner gemeinsam mit der neuen „Telegraph“-Geschäftsführerin Carolin Hulshoff Pol – zuvor bei der Bild-Gruppe tätig – sowie Chefredakteur Chris Evans eingeladen hatte.


Döpfner habe sich in seiner Ansprache persönlich dafür verbürgt, das „Vermächtnis, die Werte, das ‚Charisma‘“ der Marke sowie ihre journalistische Güte zu schützen, auch wenn sich vieles ändern werde. Als Kapitalist, der Geldverdienen als Voraussetzung für gesellschaftliche Werte betrachte, wolle er vor allem Potenziale durch Investitionen in Journalismus und Technologie aktivieren.


Innerhalb der Belegschaft mische sich die Zuversicht jedoch mit Unbehagen über mögliche Stellenverluste im Zuge der von Springer angestrebten Beschleunigung des digitalen Wandels und des KI-Einsatzes, schreibt Thomas. Chefredakteur Evans selbst bezeichnet die Übernahme durch Springer im FAZ-Gespräch wegen gemeinsamer Werte und Vorstellungen als „bestmögliche Lösung“ – nach drei Jahren Zwangsverwaltung infolge der Überschuldung der vorherigen Eigentümerfamilie Barclay sowie der zwischenzeitlich drohenden Übernahme durch einen von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützten Staatsfonds, gegen die sich die Redaktion aktiv gewehrt hatte.


Der ehemalige „Telegraph“-Chefredakteur und heutige Kolumnist Charles Moore ordnet laut FAZ-Autorin Thomas die Übernahme durch ein deutsches Unternehmen historisch ein: Vor zwanzig oder dreißig Jahren hätte ein deutscher Eigentümer noch für Verstimmung sorgen können, davon sei aber wenig geblieben. Der Argwohn der „Telegraph“-Leserschaft richte sich heute eher gegen die EU als gegen Deutschland. Die eigentliche Herausforderung liege für Moore darin, bei der angestrebten internationalen Ausrichtung die britische Identität der Marke nicht zu kompromittieren.

 

 

Sie möchten aktuelle Medien-News, Storys und Praxistipps lesen – und sich über Jobs, Top-Personalien und Journalistenpreise aus Deutschland informieren? Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter.

 

Sie haben Personalien in eigener Sache oder aus Ihrem Medienhaus? Oder ist Ihnen in unseren Texten etwas aufgefallen, zu dem Sie sich mit uns austauschen möchten? Dann senden Sie Ihre Hinweise bitte an georg.taitl@oberauer.com.