Vermischtes
Newsroom

„Bild“-Chefin Marion Horn entschuldigt sich für „Fuck AfD“-Aussage

„Bild“-Chefin Marion Horn entschuldigt sich für „Fuck AfD“-Aussage

Nach einem Interview mit „kress pro“ steht die Chefredakteurin wegen einer Äußerung über die AfD in der Kritik. Auf LinkedIn räumt sie einen Fehler ein, wirft dem Interviewer aber auch Provokation vor. „kress pro“-Chefredakteur Markus Wiegand widerspricht.

Berlin – Für die aktuelle Ausgabe von „kress pro“ hat Chefredakteur Markus Wiegand „Bild“-Chefredakteurin Marion Horn interviewt. Ein Auszug:

 

Wir leben in politisch unruhigen Zeiten. Die Ränder rechts und links sind stark gewachsen. In der Medienbranche gibt es eine große Unsicherheit, wie man damit umgehen soll. Wie viel Verantwortung trägt „Bild“ für den Aufstieg der AfD?

Marion Horn: „Bild“ trägt Verantwortung dafür, dass stimmt, was in unserem Medium steht. Der Versuch, die politische Verschiebung in Deutschland „Bild“ und anderen Medien in die Schuhe zu schieben, ist relativ durchsichtig, finde ich. Unser Job ist, klar zu benennen, wo sich unsere Leser und deutsche Bürger von der Regierung schlecht bedient fühlen. Wir sind nicht dafür da, PR für die Regierung zu machen. Ich bekomme wahnsinnig viel Leserresonanz, und der Grundtenor ist immer derselbe: „Bitte kritisieren Sie weiter die Regierung so hart. Ich will nicht aus Notwehr AfD wählen.“

 

Gibt es bei Ihnen gar keine Unsicherheit, wie Sie mit dem Thema umgehen sollten?

Klarheit und Unsicherheit, Herr Wiegand, schließen sich nicht aus. Es gibt keine Konferenz mehr, in der wir nicht hin und her diskutieren und sagen: Das hört sich jetzt an, als ob wir die AfD an der Macht haben wollten. Aber wissen Sie, in meinem Büro hängt ein Poster. Da zieht so ein Sportflugzeug eine Werbung hinter sich her. Darauf steht: „Fuck AfD“. Das ist meine Haltung. Wir sind klar in dem, was wir sagen, was unser Anspruch und was unsere Haltung ist, und gleichzeitig sind wir natürlich auch verunsichert. Ich sage selbstkritisch: Möchte ich, dass es auch nur ein Foto von mir mit Frau Weidel gibt? Nein. Ist das unjournalistisch? Leider ja.

…

Das vollständige Marion-Horn-Interview können Sie in der aktuellen Ausgabe von „kress pro“ lesen.

 

Horn erklärt ihre Aussage auf LinkedIn

Die Aussagen von Marion Horn sorgen für Wirbel in der Branche. Die „Bild“-Chefin hat sich in die Debatte mit einem sehr ausführlichen LinkedIn-Post eingeschaltet. Darin betont sie: „Wenn man Fehler macht, muss man damit offensiv umgehen. Erst recht, wenn man selbst in Bild auch nicht gerade zimperlich mit denen umgeht, die Fehler machen.“ Und weiter: „Es geht um ein Interview mit einem Mediendienst (sowas lesen eigentlich nur Journalisten), das ich vor ein paar Wochen geführt habe. Darin versucht der Interviewer, Bild die Schuld daran zu geben, dass die AfD so stark wächst. Ich kenne das und es nervt mich. Das ist das Lied, das zunächst Alt-Kanzler Scholz und jetzt Kanzler Merz singen und mit ihnen alle linken Medien: von wegen Bild ist überkritisch… Bild will die AfD an die Macht schreiben… Horn hat von Döpfner den Auftrag… Politiker machen gar nichts falsch…“

 

Horn behauptet, sie habe sich in dem Interview mit „kress pro“ „provozieren lassen und gesagt, dass ich persönlich, also ich als Bürgerin, dass ich keine Freundin der AfD bin. Leider mit diesem blöden Spruch, den die Antifa für sich gekapert hat. Ich wollte deutlich machen, dass man mich und Bild falsch verortet“, versucht Horn via LinkedIn klarzustellen.

 

Die Journalistin, die lange Chefredakteurin der „Bild am Sonntag“ war und seit 2023 die Chefredaktionen der „Bild“-Gruppe lenkt, zählt im Folgenden die Werte von Axel Springer auf, die sie lebe und liebe. Aus diesem Grund seien sowohl AfD als auch die Linke zwei Parteien, für die sie persönlich nur sehr wenig Sympathie habe. „Trotzdem“, so Horn. „Der Spruch war dumm, ich hätte mich nicht so provozieren lassen dürfen. Zumal es niemanden etwas angeht, wen ich wähle oder nicht. Ich wähle auch die Grünen nicht. Und die Linke auch nicht. Es hängt auch kein Poster in der Redaktion mit diesem Satz.“

 

Zum Schluss teilt Horn mit der LinkedIn-Community noch ein paar Fakten wie „Ich habe noch nie AfD-Wähler diskreditiert (ebenfalls überprüfbar)“ und übt Selbstkritik: „Natürlich habe ich Gegner. Denen macht es Spaß, aus meinem blöden Spruch eine Kampagne gegen Bild zu machen. Muss ich aushalten, ich habe selbst Schuld.“

 

„kress pro“-Chefredakteur widerspricht

Zu dem Horn-Post gibt es Dutzende Reaktionen. Darunter ist auch „kress pro“-Chefredakteur Markus Wiegand. Er schreibt: „Hier meldet sich der Interviewer vom Medienfachtitel kress pro. Nur fürs Protokoll: Ich habe „Bild“ nicht die Schuld gegeben, dass die AfD so stark wächst. Und ich habe Marion Horn bei der politischen Ausrichtung auch nicht versucht zu provozieren. Ich biete an, das Ganze im Original zu prüfen. Wer mir eine Mail schreibt, bekommt morgen einen Rabattcode.“

 

Sie möchten aktuelle Medien-News, Storys und Praxistipps lesen – und sich über Jobs, Top-Personalien und Journalistenpreise aus Deutschland informieren? Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter.


Sie haben Personalien in eigener Sache oder aus Ihrem Medienhaus? Oder ist Ihnen in unseren Texten etwas aufgefallen, zu dem Sie sich mit uns austauschen möchten? Dann senden Sie Ihre Hinweise bitte an georg.taitl@oberauer.com.