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Das Ende ist nahe: Marc Walder sieht kaum Zukunft für Lokalzeitungen im Digitalen

Das Ende ist nahe: Marc Walder sieht kaum Zukunft für Lokalzeitungen im Digitalen Marc Walder (Foto: APA-Images / Keystone / URS FLUEELER)

Der Ringier-CEO sieht Lokalzeitungen im digitalen Wettbewerb strukturell benachteiligt. In der wachsenden Flut von KI-Inhalten erkennt er zugleich eine Chance: Glaubwürdiger Journalismus könnte wieder an Bedeutung gewinnen. Kritik an Walders düsterer Prognose folgte rasch.

Zürich – Lokal- und Regionalzeitungen haben nach Einschätzung des Medienmanagers und CEO des Schweizer Medienkonzerns Ringier, Marc Walder, im digitalen Markt kaum eine Überlebenschance – auch wenn sich seine Analyse konkret auf die Schweiz bezieht, lassen sich zentrale Aussagen auf andere Medienmärkte übertragen. Ihre traditionellen Geschäftsmodelle lassen sich demnach nur schwer ins Digitale übertragen, während Reichweite, Plattformlogiken und veränderte Nutzungsgewohnheiten gegen sie arbeiten. Diese zentrale These äußerte Walder in einem Interview mit der Neue Zürcher Zeitung, geführt von Beat Balzli und Guido Schätti.

 

Walder beschreibt die Medienbranche insgesamt als seit Jahren unter massivem Druck stehend. Besonders betroffen seien Lokalzeitungen, deren wirtschaftliche Basis im Printbereich durch den starken Rückgang der Werbeeinnahmen erodiert sei. Gleichzeitig profitierten sie im Digitalen kaum vom Wachstum, da ein Großteil der Werbegelder an globale Plattformen abfließe.

 

Im digitalen Wettbewerb sieht Walder nur zwei tragfähige Modelle: Angebote mit sehr großer Reichweite sowie klar positionierte Nischenprodukte. Lokalzeitungen gehörten in der Regel zu keinem dieser beiden Segmente. Ihr klassisches Modell – eine starke Bindung von Haushalten an ein regionales Abonnement – funktioniere digital nicht mehr, insbesondere bei jüngeren Zielgruppen.

 

Hinzu komme ein struktureller Nachteil bei der Distribution. Nachrichten würden zunehmend über soziale Medien und große Plattformen konsumiert, wo vor allem bekannte, reichweitenstarke Marken präsent seien. Lokalmedien hätten es schwer, in diesem Umfeld sichtbar zu bleiben und neue Nutzergruppen zu erreichen.

 

Als weiteren Belastungsfaktor nennt Walder technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz. Diese werde Produktionsprozesse und Arbeitsmärkte grundlegend verändern und den Anpassungsdruck auf Medienhäuser weiter erhöhen. Gerade kleinere Redaktionen mit begrenzten Ressourcen könnten dadurch zusätzlich unter Druck geraten.

 

Gleichzeitig sieht Walder in der zunehmenden Verbreitung KI-generierter Inhalte auch eine potenzielle Chance für den Journalismus. In einem Umfeld, das von automatisierten und teilweise minderwertigen Inhalten geprägt sei, könne verlässliche redaktionelle Arbeit an Bedeutung gewinnen. Ob insbesondere Lokalzeitungen daraus einen Vorteil ziehen können, lässt er offen.

 

Insgesamt ergibt sich aus Walders Einschätzungen das Bild einer sich stark konsolidierenden Medienlandschaft, in der Lokalzeitungen strukturell benachteiligt sind und ihre Rolle im digitalen Ökosystem neu definieren müssen.

 

Kritik an Walders düsterer Prognose

Widerspruch zu Walders Prognose kommt von Patrik Müller, Chefredakteur der CH-Media-Zeitungen und der „Schweiz am Wochenende“. In einem Beitrag bei Linked-in schreibt er, Walder blende aus, dass es sehr wohl Zeitungen gebe, etwa bei CH-Media, „denen es inzwischen gelingt, die Printerosion mit Digitalabos aufzufangen“. Der Umsatz von CH-Media sei d„ank Wachstum im Digitalen nahezu stabil, und die Profitabilität nimmt seit zwei Jahren zu", so Müller. Zudem ignoriere Walder die "Bedeutung der Regionalzeitungen“ für die Demokratie auf Kantons- und Gemeindeebene. „Eine direkte Demokratie ohne Journalismus, der alle drei Staatsebenen abdeckt, ist nicht vorstellbar“ schreibt Müller und ist optimistisch, dass es in der Politik auch langfristig eine Bereitschaft geben werde, „unabhängigen Journalismus zu unterstützen, auch wenn die perfekten Modelle noch nicht gefunden sind“.

 

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