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Debatte um Gabor Steingart gehrt weiter: Kritik an „Prostitution“-Aussage im Journalismus

Debatte um Gabor Steingart gehrt weiter: Kritik an „Prostitution“-Aussage im Journalismus Gabor Steingart (Foto: HMB Media/Uwe Koch)

Mit scharfen Worten hat der Medienmacher eine Debatte über Werbung im Journalismus ausgelöst. Seine Aussagen stoßen auf Kritik – auch, weil zentrale Fragen offenbleiben.

Hamburg – Die Äußerungen von Medienunternehmer Gabor Steingart zur Finanzierung journalistischer Angebote sorgen für Diskussionen. In einem Manifest zum „ästhetischen Journalismus“ bezeichnete er Podcastwerbung durch Journalistinnen und Journalisten als „Prostitution“ und formulierte zugleich zehn Thesen für eine publizistische Erneuerung.


Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, sei das Manifest „mit so viel geradezu religiösem Pathos aufgeladen“ wie selten zuvor. Steingart, Herausgeber des Newsletter- und Podcast-Mediums „The Pioneer“, entwirft darin ein idealisiertes Bild von Journalismus, der „auf das Hässliche mit Schönheit, auf das Laute mit Eleganz“ reagieren solle.


Gleichzeitig stößt insbesondere seine Kritik an werbefinanzierten Podcasts auf Widerspruch. Die „Süddeutsche Zeitung“ weist darauf hin, dass sich durchaus darüber streiten lasse, ob Journalistinnen und Journalisten ihre Glaubwürdigkeit mit Werbung verbinden sollten – jedoch kaum „auf der Grundlage von Steingarts Mission“, die auch die „Beschimpfung der Konkurrenz“ einschließe.


Kritik kam unter anderem von der Journalistin Dagmar Rosenfeld, die sich angesprochen fühlte und ihre Tätigkeit bei „The Pioneer“ beendete. Sie verteidigte gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ das Modell werbefinanzierter Podcasts: „Qualitätsjournalismus braucht ein Bezahlmodell, unser Podcast ‚Machtwechsel‘ ist kostenfrei hörbar, weil wir ihn auch über Werbung finanzieren.“


Rosenfeld betonte zudem, dass Werbung klar gekennzeichnet sei und keinen Einfluss auf redaktionelle Inhalte habe. Hörerinnen und Hörer seien „mündige Bürger“ und ebenso „mündige Konsumenten“.


Steingart selbst zeigte sich von der Kritik unbeeindruckt und reagierte nicht mit einer Relativierung seiner Wortwahl. Stattdessen forderte er öffentlich: „Entpört Euch!“


Weitere Zweifel an seinen Aussagen ergeben sich laut „Süddeutscher Zeitung“ auch bei Verweisen auf den Pressekodex. So habe Steingart behauptet, der Presserat habe sich bereits mit sogenannten Host-read Ads beschäftigt. Eine entsprechende Bestätigung konnte dort jedoch nicht gefunden werden.


Offen bleibt damit nicht nur die Frage nach der angemessenen Finanzierung von Journalismus, sondern auch nach der Schärfe und Grundlage von Steingarts Kritik – eine Debatte, die über einzelne Aussagen hinaus die Rolle von Printmedien und digitalen Formaten gleichermaßen betrifft.

 

 

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