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Newsroom – Marc Bartl

Die meistzitierten Medien 2025: „Bild“ baut Dominanz aus, „Tagesspiegel“ führt bei Regionalzeitungen

Eine neue Zitate-Analyse von Media Tenor zeigt klare Gewinner und Verlierer: Die „Bild“-Gruppe bleibt Taktgeber, während der „Tagesspiegel“ bei den Regionalzeitungen deutlich zulegt – und LinkedIn als Quelle an Bedeutung gewinnt.

Berlin – Roland Schatz und sein Team von Media Tenor haben zwischen Januar und Dezember 2025 insgesamt 24.293 Zitate ausgewertet. Die Analyse zeigt: Die „Bild“-Gruppe baut ihre Stellung als meistzitierte Medienmarke weiter aus. Während andere Markengruppen wie „Der Spiegel“, das „Handelsblatt“ und die „Süddeutsche Zeitung“ im Vergleich zum Vorjahr teils deutlich an Zitaten verlieren, wurden die Redaktionen rund um „Bild“ und „Bild am Sonntag“ noch häufiger zitiert als 2024.


Ein erheblicher Teil dieser Zitate entfällt auf die sogenannte Horse-Race-Berichterstattung, insbesondere auf Meinungsumfragen von „Bild“ in Kooperation mit INSA. Diese Umfragen zum politischen Stimmungsbild sind das zweithäufigste Zitate-Thema nach der Asylpolitik. Die starke Betonung der AfD-Erfolge habe maßgeblich zur hohen Zitathäufigkeit beigetragen, analysiert Roland Schatz, Geschäftsführer von Media Tenor International.


„Die Springer-Titel der roten Gruppe haben unverändert eine herausragende Stärke bei Recherchen und erhalten viele Preise, etwa für Journalisten wie Paul Ronzheimer“, sagt Schatz. Kritisch sei jedoch zu sehen, dass das nahezu wöchentliche Verbreiten von AfD-Umfrageergebnissen direkt oder indirekt Einfluss auf die politische Stimmung gehabt haben könnte. „Da liegen ‚Bild‘ und der öffentlich-rechtliche Rundfunk inzwischen nah beieinander“, so Schatz.


Besonders stark zeigt sich die „Bild“-Gruppe als Nachrichtenquelle für politische Inhalte. Sie ist im Politikteil anderer meinungsführender Medien erneut das meistzitierte Medium und konnte diese Position 2025 weiter ausbauen. Interviews aus der „Bild am Sonntag“ werden häufig bereits am Samstagabend in den großen Fernsehnachrichten aufgegriffen. Dem „Spiegel“ gelingt das 2025 deutlich seltener.


Der „Tagesspiegel“ wird inzwischen häufiger im Politikteil zitiert als die „Süddeutsche Zeitung“. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) hingegen schafft es im Unterschied zum Vorjahr nicht mehr unter die Top 15 der meistzitierten Medien.


Neben der „Bild“-Gruppe konnten auch die Medien rund um RTL, n-tv, „Stern“ und „Capital“ Zitate hinzugewinnen, ebenso die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und der „Tagesspiegel“. Letzterer nutzte vor allem das Sommerloch für erfolgreiches Agenda-Setting. Dazu zählten Recherchen zu den Moskau-Reisen des ehemaligen SPD-Vorsitzenden Matthias Platzeck sowie zur Teilnahme der CDU-Bundestagsabgeordneten Saskia Ludwig an einer Konferenz in Ungarn, bei der auch AfD-Chefin Alice Weidel auftrat.


International sorgt ein Interview mit Donald Trump für einen deutlichen Zitate-Sprung bei „Politico“, das sich damit als einflussreicher Akteur im politischen Diskurs etabliert.


Im Bereich internationaler Wirtschaftsbeziehungen und -entwicklungen wird laut Media-Tenor-Auswertung kein Medium so häufig zitiert wie die „Financial Times“. Sie gilt bei diesen Themen als wichtigste Quelle für Recherchen und Analysen. Bemerkenswert ist zudem, dass die „Bild“-Zeitung im Wirtschaftsteil deutlich vor dem „Spiegel“ liegt, während die öffentlich-rechtlichen Sender hier vergleichsweise schwach abschneiden. Der „Tagesspiegel“ schafft es 2025 erstmals auch unter die Top-15-Medien im Wirtschaftsteil.


LinkedIn gewinnt als Quelle an Bedeutung
Unter den sozialen Netzwerken bleibt Twitter die dominierende Plattform für Zitate. Zwar legt Trumps Netzwerk Truth Social deutlich zu, dies beschränkt sich jedoch weitgehend auf Aktivitäten des US-Präsidenten selbst. LinkedIn hingegen gewinnt schrittweise an Relevanz als Quelle für redaktionelle Inhalte. Mit rund 100 Zitaten liegt die Plattform inzwischen auf Augenhöhe mit Medienmarken wie „The Economist“ oder regionalen Tageszeitungen wie der „NOZ“.

 

 

 

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