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Freier Journalismus: So gelingt der Einstieg – von der Themenidee bis zur Honorarberechnung

Freier Journalismus: So gelingt der Einstieg – von der Themenidee bis zur Honorarberechnung Marius Elfering (Foto: privat)

Wie ein Pitch und die Umsetzung gelingen, welche Punkte dabei zu beachten sind und wie sich ein Honorar realistisch kalkulieren lässt, zeigt Marius Elfering.

Berlin – Der Einstieg in die freie journalistische Arbeit ist oft von grundlegenden Unsicherheiten begleitet: Fragen nach der wirtschaftlichen Tragfähigkeit, nach Zugängen zu großen Redaktionen und nach der eigenen Themenrelevanz stellen sich früh. Solche Zweifel gelten als normal, ebenso wie Umwege auf dem Weg zur eigenen beruflichen Positionierung.
 
Als zentrale Erfahrung gilt dabei, dass sich insbesondere zu Beginn eine intensive Investition in eine größere, sorgfältig recherchierte Geschichte lohnen kann. Eine erfolgreiche Erstveröffentlichung kann als Türöffner für weitere Aufträge dienen und den Kontakt zu renommierten Medien herstellen. Entscheidend sind dabei sowohl die Qualität und Relevanz des Themas als auch ein professionelles, klar strukturiertes Vorgehen bei der Ansprache von Redaktionen – vorzugsweise schriftlich und präzise, wie Marius Elfering in der Journalisten-Werkstatt „Frei arbeiten und gut leben“ erläutert.
 
Die Vorarbeit
Recherchieren Sie das mögliche Thema so weit an, dass Sie sicher sind, es umsetzen und leisten zu können. Kontaktieren Sie bereits erste mögliche Protagonisten und prüfen Sie, ob diese als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Recherchieren Sie jedoch nicht darüber hinaus: Zunächst verkaufen Sie Ideen an Redaktionen, keine fertigen Produkte.
 
Die Prioritäten
Wenn Sie die Richtung Ihrer Geschichte kennen, ordnen Sie mögliche Abnehmer nach Priorität: Bei welchen Medien würden Sie am liebsten publizieren?
 
Das Anschreiben mit Exposé
Suchen Sie für Ihr Anschreiben die jeweils zuständigen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in den Redaktionen und vermeiden Sie Allgemein-Anreden. Fragen Sie notfalls vorab in der Redaktion nach. Formulieren Sie eine knappe E-Mail, in der Sie sich vorstellen und mitteilen, dass Sie sich mit einem Themenvorschlag melden. Wichtig ist der Hinweis, dass Sie unter Ihrer Signatur ein Kurzexposé eingefügt haben und sich im Anhang ein ausführlicheres Exposé befindet. Das Kurzexposé sollte direkt in das Thema hineinziehen – das gelingt in der Regel gut über emotionale Zugänge.
 
Ein Beispiel (aus dem später eine Feature-Serie im Deutschlandfunk Kultur entstand): „Sie gilt als die ärmste Stadt Deutschlands: Gelsenkirchen. Eine Stadt, die durch den Bergbau, durch Kohle, Eisen und Stahl groß geworden und dann tief gestürzt ist. Armut, Arbeitslosigkeit, die großen politischen Probleme stehen hier auf der Tagesordnung. Kann eine derart krisengeschüttelte Stadt es jemals wieder nach oben schaffen? Ein Jahr in Gelsenkirchen.“
 
Das ausführliche Exposé für den Anhang sollte eine bis maximal zwei Seiten umfassen und klar strukturiert sein:

  • Arbeitstitel
  • Ausführliche Beschreibung des Themas
  • Erste geleistete Rechercheschritte
  • Kurzer Überblick möglicher Probleme bei der Recherche
  • Schätzung der Recherchedauer
  • Schätzung der Reisekosten
  • gegebenenfalls ein Honorarvorschlag

 
Das Honorar
Verkaufen Sie sich nicht unter Wert, sobald eine Redaktion Interesse zeigt. Machen Sie sich vorab klar, welches Honorar für Sie fair ist …
 
Das Nachfassen
Haben Sie Ihr Angebot abgeschickt und nach einer Woche keine Rückmeldung erhalten, fassen Sie freundlich nach und bitten Sie um eine kurze Antwort.
 
Das Danach
Ist das Thema verkauft und beginnen Sie mit der Recherche, sollten Sie versuchen, möglichst viel Struktur in den Arbeitsprozess zu bringen.
 
Passend dazu zeigt Elfering auch, wie freie Journalistinnen und Journalisten ihr Mindesthonorar realistisch berechnen und ihre Arbeit wirtschaftlich tragfähig kalkulieren können:
 
Mindesthonorar berechnen
Um ein Honorar realistisch zu kalkulieren, müssen Sie zunächst Ihren (Mindest-)Tagessatz ermitteln. Zentrale Fragen dabei sind: Wie viel Geld müssen Sie im Monat verdienen, um alle laufenden Kosten decken zu können? Und welcher Tagessatz ergibt sich daraus?
Beispiel:
– Mindest-Solleinnahmen pro Monat: 4.000 Euro
– Arbeitstage pro Jahr: ca. 250 Tage
– abzüglich Urlaubstage: 30 Tage
– abzüglich Krankheitstage: 10 Tage
– abzüglich Administration, Themensuche, Anrecherche, Themenangebote: 40 Tage
= 170 Arbeitstage pro Jahr für Auftraggeber
= ca. 14 Arbeitstage pro Monat
Teilen Sie Ihre monatlichen Solleinnahmen durch die verfügbaren Arbeitstage, ergibt sich:
4.000 Euro / 14 Tage = ca. 285 Euro
Dies ist Ihr Mindest-Tagessatz.
 
Dieser individuell errechnete Wert lässt sich bei Bedarf auch auf Stunden herunterbrechen. Wird mit einem Auftraggeber eine Pauschale vereinbart, sollte vorab geprüft werden, ob das Budget für den erwarteten Rechercheaufwand ausreicht. Sinnvoll kann es zudem sein, eine Zwischenbilanz zu vereinbaren – für den Fall, dass sich die Recherche unerwartet zeitintensiv entwickelt.
 
Zu den Details 

 

  • Zur Marke werden 
  • Die Startrampe zum Erfolg 
  • Der Fuß in der Tür 
  • Den Alltag meistern 
  • Mach es dir einfach! 
  • KI: Feind oder Helfer? 
  • Mach dir klar: Du wirst gebraucht! 
  • Fünf Don’ts als freiberuflicher Journalist 
  • Nachgefragt: Wie machst du das? 

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