Vermischtes
Newsroom – Marc Bartl

Julia Jäkel kritisiert „Applausjournalismus“

Die Medienmanagerin fordert von Journalisten mehr Selbstkritik bei der Berichterstattung über Reformen. Gemeinsam mit Ex-Verfassungsrichter Andreas Voßkuhle warnt sie vor einem Journalismus, der vor allem Defizite betont.

Berlin – Im aktuellen „Zeit“-Interview zur Staatsmodernisierung äußert sich Medienmanagerin Julia Jäkel auch kritisch zur eigenen Branche. Sie wolle keinen „Applausjournalismus“ oder gelenkte PR für den Staat, betont Jäkel im Gespräch mit Tina Hildebrandt und Heinrich Wefing. Sie erlebe aber bei manchen Journalistinnen und Journalisten einen gewissen Zynismus. Den Glauben daran, dass in Deutschland noch etwas gelingen könne, hätten diese offenbar verloren. So wie sich Journalisten regelmäßig fragten, ob sie politisch zu einseitig berichteten, müssten sich Redaktionen nach Jäkels Ansicht auch gelegentlich selbstkritisch fragen: Schauten sie genug dahin, wo etwas vorangehe?


Ex-Verfassungsrichter Andreas Voßkuhle, der gemeinsam mit Jäkel, Thomas de Maizière und Peer Steinbrück 2025 Vorschläge zur Staatsreform vorgelegt hatte, pflichtet ihr mit einer besonders bildhaften Formulierung bei. Es gebe eine „nicht ganz kleine Zahl“ von Journalisten, die sich gerne im „bequemen Fauteuil ihres Defätismus“ lümmelten und mit „maliziösem Lächeln“ fragten, ob er wirklich glaube, dass Reformen gelingen könnten. Ähnliches erlebe er auch in seinem wissenschaftlichen Umfeld, so Voßkuhle.


Auf die Zeit-Frage, ob die Initiative selbst versäumt habe, eine überzeugende Erzählung für die Reformen zu liefern, verweist Jäkel auf zahlreiche eigene Auftritte in unterschiedlichsten Formaten. Viele Menschen seien überrascht gewesen, was in Deutschland tatsächlich vorangehe, ergänzt Voßkuhle. Die anekdotische Fülle an Beispielen für Missstände sei zwar gigantisch, doch vieles werde auch besser und die Menschen, die sich dafür einsetzten, müsse man stärker feiern, so die beiden übereinstimmend.

 

 

Sie möchten aktuelle Medien-News, Storys und Praxistipps lesen – und sich über Jobs, Top-Personalien und Journalistenpreise aus Deutschland informieren? Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter.

 

Sie haben Personalien in eigener Sache oder aus Ihrem Medienhaus? Oder ist Ihnen in unseren Texten etwas aufgefallen, zu dem Sie sich mit uns austauschen möchten? Dann senden Sie Ihre Hinweise bitte an georg.taitl@oberauer.com.