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Newsroom – Markus Trantow

Kai Diekmann verteidigt den Journalismus – und widerspricht Ben Berndt

Kai Diekmann verteidigt den Journalismus – und widerspricht Ben Berndt Kai Diekmann (Foto: Johannes Arlt für turi2)

Im Podcast „Ungeskriptet“ spricht der frühere „Bild“-Chefredakteur fast dreieinhalb Stunden über Neutralität, Meinungsfreiheit und journalistische Verantwortung. Dabei widerspricht er dem Gastgeber ebenso wie der Kritik am klassischen Journalismus.

Berlin – Kai Diekmann ist zu Gast in der jüngsten Ausgabe des umstrittenen Podcasts „Ungeskriptet“ von Ben Berndt. Dem früheren „Bild“-Chefredakteur gelingt es offenbar, die Perspektive von Berndt auf den Journalismus zu verändern, denn der Podcaster überschreibt das Drei-Stunden-Gespräch mit: „Ex-Bild-Chef zerlegt meine größte Überzeugung.“ Damit meint Berndt offenbar die Einsicht, dass es so etwas wie Neutralität im Journalismus nicht gibt: „Jeder von uns hat eine Perspektive, jeder von uns kommt aus bestimmten Verhältnissen, jeder von uns hat bestimmte Erfahrungen und wird deshalb beurteilen: Ist das Glas halb leer, ist das Glas halb voll“, erklärt Diekmann. Journalismus könne nur eine Annäherung an die Wahrheit versuchen. Diekmann spricht auch über journalistische Grundbegriffe wie „unter 3“. Er erläutert, dass in Deutschland der Persönlichkeitsschutz schon auf Basis des Grundgesetzes über dem Recht auf freie Meinungsäußerung steht – anders als etwa in den USA. Und er begrüßt diesen Ansatz.


Großes Thema ist immer wieder die Meinungsfreiheit. Diekmann sagt, dass es in der deutschen Medienlandschaft Platz für jede Meinung gebe. Und dass, obwohl Verleger einen gewissen Meinungskorridor vorgeben könnten, innerhalb dessen unterschiedliche Meinungen möglich seien. So sei „Bild“ unter Diekmann für den Irakkrieg gewesen, die „Bild am Sonntag“ unter Claus Strunz dagegen. „Ich habe nie erlebt, dass mir jemand vorgeschrieben hätte, wie ich über bestimmte Dinge zu denken oder zu schreiben hätte.“ Diekmann sagt aber auch, dass es unter einer mächtigen Medienmarke wie „Bild“ einfacher sei, unabhängig zu agieren, als im Lokalen, wo man den Menschen, über die man schreibe, am nächsten Tag gleich wieder begegne.


„Ich glaube, dass wir ein Maß an Meinungsfreiheit haben, wie es beispiellos ist, und dass wir mitunter leichtfertig vergessen, wie schwierig es ist, Journalismus in anderen Ländern zu machen“, sagt Diekmann. Berndt entgegnet, dass es gegen seinen Podcast und sein Unternehmen nach dem umstrittenen Höcke-Interview Werbe-Boykott-Aufrufe aus der Politik gegeben habe. Diekmann winkt ab: Er spricht etwa über die Gesprächs- und Interview-Boykotte der Grünen und von Teilen der SPD gegen die „Bild“. „Auch Dummheit ist zulässig“, kommentiert der Ex-„Bild“-Chefredakteur.


Zu Beginn des Gesprächs wechselt Diekmann kurz in die Rolle des Fragestellers und will wissen, was Berndt aus dem Podcast mit Höcke gelernt habe: Der Podcaster erklärt, dass er Höcke auch mit dem Wissen von heute erneut einladen würde. Schon vor dem Interview habe Berndt „ein gutes Leben gehabt“, viel Geld verdient und Leute gehabt, die seine Arbeit gut fanden. Nun würden ihn auch Menschen erkennen, die ihn doof finden – „Das hat es erstmal schlechter gemacht“. Andererseits habe er mehr Abonnenten und Aufmerksamkeit gewonnen und auch mehr Geld verdient. Das sei aber das Spiel, das er spiele: „Ich möchte gerne einen der erfolgreichsten Podcasts der Welt bauen.“ Persönlich habe Berndt den Podcast mit dem AfD-Politiker „erschreckend unspektakulär“ gefunden. Für ihn sei wichtiger, was nach dem Podcast passiert sei.


Berndt äußert in diesem Rahmen auch Medienkritik: Vor dem Höcke-Interview hätten sich die klassischen Medien für seine Arbeit nicht interessiert, obwohl sein Format bereits der größte Interview-Podcast gewesen sei. Außerdem sagt Berndt, dass die journalistischen Kritiker seinen Höcke-Podcast erst verrissen hätten und anschließend umgeschwenkt seien, weil Berndt auf Social Media massive Unterstützung erfahren habe. Hier widerspricht Diekmann: Er glaubt, dass Journalisten auch dann ihre Meinung sagen, wenn diese nicht der Mehrheitsmeinung ihrer Leser entspreche. Für Diekmann sei immer wichtig gewesen, „den Leuten aufs Maul zu schauen, ihnen aber nicht nach dem Mund zu reden“.

 

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