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ORF-Skandal weitet sich aus: Vorwürfe, Gegendarstellungen und politische Kritik

ORF-Skandal weitet sich aus: Vorwürfe, Gegendarstellungen und politische Kritik „Meine Opferrechte mit Füßen getreten“ (Foto: APA-Images / APA / HELMUT FOHRINGER)

Nach dem Rücktritt des Generaldirektors des Österreichischen ÖRR spitzt sich die Debatte zu. Betroffene, Stiftungsrat und Ex-Intendant widersprechen einander deutlich – und bereiten weitere Schritte vor.

Wien – Die ORF-Mitarbeiterin, deren Vorwürfe zum Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann führten, hat ihre Motivation und ihre Sicht auf die Entwicklung der Causa erstmals öffentlich erläutert.
Wie sie dem „Falter“ sagte, habe sie eine „wirkungsvolle und diskrete Lösung“ angestrebt. Anfang März ließ sie über ihren Anwalt Material in Text, Ton und Bild an die Vorsitzenden der ORF-Gremien übermitteln und forderte Weißmanns Rücktritt binnen weniger Tage. Dieser trat am 8. März zurück. Die Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrats nannten anschließend Vorwürfe „sexueller Belästigung“ als Grund.
 
Betroffene schildert Motivation und Kritik an Darstellung
Zugleich kritisierte die Betroffene die öffentliche Darstellung des Falls. „Meine Opferrechte wurden mit Füßen getreten. Ich wurde diskreditiert, diffamiert“. Sie sei zudem als „Marionette“ dargestellt worden und zeigte sich „schockiert und emotional sehr betroffen“ von Verdrehungen der Tatsachen.
 
Vorwürfe gegen Stiftungsratsvorsitzenden
Parallel dazu sieht sich auch ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer mit Vorwürfen konfrontiert. Kritik des FPÖ-Generalsekretärs Christian Hafenecker, er habe seine Funktion für eigene geschäftliche Interessen genutzt, wies Lederer „auf das Schärfste“ zurück. Seine beruflichen Tätigkeiten stünden in keinem Zusammenhang mit seiner Rolle im Gremium, alle Compliance- und Governance-Vorgaben seien eingehalten worden.
 
Lederer forderte zugleich eine rasche und umfassende Aufklärung der Vorwürfe sowie Maßnahmen zum Opferschutz. Es sei bedauerlich, dass die mögliche sexuelle Belästigung einer Mitarbeiterin nicht stärker im Mittelpunkt stehe.
 
Weißmann kündigt rechtliche Schritte an
Indes bereitet der zurückgetretene Generaldirektor rechtliche Schritte vor. Wie sein Anwalt mitteilte, soll bei der Staatsanwaltschaft Wien eine Strafanzeige eingebracht werden. Hintergrund sei der Verdacht „strafrechtlich relevanten Verhaltens mehrerer involvierter Personen“. Details nannte Anwalt Norbert Wess nicht.
 
Roland Weißmann bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Die Beziehung zur Mitarbeiterin sei „in beidseitigem Interesse“ gewesen, ließ er mitteilen. Zudem habe er keinen vollständigen Überblick über das vorgelegte Material und sei vom ORF bislang nicht angehört worden. Gleichzeitig wirft er Lederer vor, ihn zum Rücktritt gedrängt zu haben – was dieser wiederum zurückweist.



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