Vermischtes
KNA – Joachim Huber

Studie zeigt Bruchlinien bei Mediennutzung in Deutschland: ARD und ZDF verlieren die Jüngeren

Ältere Menschen sehen fern, jüngere scrollen durch Social Media. Vereinfacht gesagt sieht einer aktuellen Studie zufolge die Mediennutzung in Deutschland so aus. Die Autoren plädieren für Bewahrung und Veränderung.

Berlin (KNA) – Die Mediennutzung in Deutschland ist fragmentiert. Wie fragmentiert, das zeigt die aktuelle Studie „Bruchlinien der Öffentlichkeit“, die Jochen Roose und Jonas Schwarzenberger für die Konrad-Adenauer-Stiftung angefertigt haben. Sie fokussiert das politische Informationsverhalten der Bevölkerung und die Bewertung der öffentlich-rechtlichen Sender.


Insbesondere zwei zentrale Erkenntnisse ragen heraus. ARD, ZDF und Deutschlandradio sind in der politischen Mitte unverändert stark verankert, vor allem Wahlberechtigte ab 40 Jahren suchen ihre politischen Informationen mehrheitlich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Hinzu kommen Tages- und Wochenzeitungen.


Beim Alter zeigt sich somit die erste Bruchlinie. Menschen bis 40 Jahre nutzen zu erheblichen Anteilen Soziale Medien, um sich politisch zu informieren. Das Fernsehen von ARD und ZDF wie auch Zeitungen sind für diese Generationen bei der Medienpräferenz von geringerem Gewicht.


Misstrauen bei AfD, BSW und FDP
„Die zweite Bruchlinie ist ein Vertrauensbruch“, schreiben Roose und Schwarzenberger. Eine Mehrheit der repräsentativ Befragten vertraut den öffentlich-rechtlichen Medien und findet ihre eigenen Meinungen in deren Sendungen vertreten. Dies gilt insbesondere für die politische Mitte. Bei den älteren Nutzerinnen und Nutzern, die ARD, ZDF und Deutschlandradio bevorzugen, gilt das Transfermodell vom Sender zum Publikum ohne ausgeprägte Rückkoppelung nach wie vor.


An den politischen Rändern, sprich bei den Anhängerinnen und Anhängern von AfD, BSW, aber auch FDP, werden die öffentlich-rechtlichen Medien kritisch gesehen. Stattdessen werden die Sozialen Medien, vorneweg Instagram und Facebook, zu größeren Teilen als Informationsquelle genutzt – und das auch interaktiv. Grund ist auch der Eindruck, die eigenen Ansichten würden in den öffentlich-rechtlichen und in den Printmedien zu wenig oder gar nicht vorkommen.


Dass die mediale Öffentlichkeit in Deutschland durch diese zwei Bruchlinien gekennzeichnet ist, zeigt sich in wesentlichen Teilergebnissen der Studie, für die 4.000 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger befragt wurden.


Instagram weit vorne
Das Fernsehen von ARD und ZDF ist für 52 Prozent die wichtigste Quelle, wenn es um politische Nachrichten geht. Tages- und Wochenzeitungen folgen mit 39 Prozent, dann kommt das öffentlich-rechtliche Radio mit 25 Prozent. Denselben Wert erreichen Soziale Medien. Privater Rundfunk sortiert sich mit deutlichem Abstand dahinter ein.


Über alle Medien gesehen gilt der Trend: Je älter das Publikum, desto mehr Nutzung von öffentlich-rechtlichem Fernsehen und Print, je jünger das Publikum, desto höher die Werte für Soziale Medien. Und für Parteianhängerschaften heißt das: Bei AfD, BSW, FDP, bei den Nichtwählern nutzt nur jede dritte Person das öffentlich-rechtliche Fernsehen für den Bezug von politischen Inhalten, dagegen werden Soziale Medien deutlich über dem Durchschnitt genutzt.


Klarer Favorit beim Beziehen und Verbreiten von politischen Inhalten im Internet ist Instagram (25 Prozent) vor Facebook (17 Prozent) und Youtube (14 Prozent). X (früher Twitter) hält sich bei sechs Prozent, Tiktok bei fünf Prozent, Whatsapp bei vier Prozent und Telegram bei drei Prozent. Interessant dabei ist, dass Tiktok ausschließlich für die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen relevant ist und die Bereitschaft, politische Inhalte zu bewerten, im Lager der Linken (38 Prozent) und der AfD (35 Prozent) am stärksten ausgeprägt ist.


„Rückgrat der politischen Öffentlichkeit“
Die Studie kommt im Verlauf noch einmal auf die Glaubwürdigkeit von Medien zurück. Eine Mehrheit von 67 Prozent schätzt die öffentlich-rechtlichen Medien als glaubwürdig ein. Dem stehen 28 Prozent an „Pessimisten“ gegenüber. Festzuhalten ist, dass der allgemeine Wert für die Glaubwürdigkeit sinkt: War er 2017/2020 noch bei 78 Prozent, so liegt er aktuell bei 67 Prozent. Auffällig dabei, dass 68 Prozent der Westdeutschen den öffentlich-rechtlichen Medien Glaubwürdigkeit attestieren, im Osten sind es 62 Prozent.


Die Studienautoren folgern aus den Ergebnissen, dass „der öffentlich-rechtliche Rundfunk bewahrt und gestärkt werden sollte, weil er unverändert das Rückgrat der politischen Öffentlichkeit in Deutschland ist“. Für die öffentlich-rechtlichen Sender sei es eine zentrale Aufgabe, die Breite der Meinungsvielfalt sichtbar zu machen. Es gelte, diese Meinungsvielfalt explizit dem Publikum zu verdeutlichen, um dem Eindruck der Meinungsbeschränkung entgegenzutreten.


Auch das folgern die Autoren: „Die politische Mitte muss ihre Präsenz in den Sozialen Medien verstärken. Es ist die Aufgabe der Mitte, die Meinungsführerschaft der Mehrheit in Sozialen Medien sichtbar zu machen.“ Damit werde der polarisierenden Schlagseite in Sozialen Medien die Stirn geboten.

 

 

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