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Studien prüfen, Experten einschätzen: Sieben Fragen für die Recherche

Studien prüfen, Experten einschätzen: Sieben Fragen für die Recherche Florian Sturm

Florian Sturm zeigt in seiner Journalisten-Werkstatt „Echte Kompetenz erkennen“, worauf Journalisten bei Studien, Zahlen, Methoden und Interessenkonflikten achten sollten – und welche Tools bei der Prüfung helfen.

Berlin – Vor ein paar Monaten verbrachte Florian Sturm für eine Recherche drei Tage in Oxford neben dem Mikrobiologen Sholto David. Der Wissenschaftsdetektiv untersucht wissenschaftliche Studien auf manipulierte Mikroskopaufnahmen, kopierte Zellbilder und statistische Auffälligkeiten. Mehr als 7.800 Paper hat David inzwischen mit teils gravierenden Mängeln dokumentiert. Sturm wollte verstehen, wie jemand arbeitet, der nicht hinnehmen will, dass problematische Forschung veröffentlicht und zur Grundlage weiterer wissenschaftlicher Arbeit wird.


Was das mit Journalismus zu tun hat? Eine Menge. Journalisten sind täglich auf fremde Expertise angewiesen – bei Themen wie Klimaforschung, Gesundheit, Wirtschaft, Energie, Justiz oder Künstlicher Intelligenz. Die Zahl der sichtbaren Stimmen wächst, doch wissenschaftliche Kompetenz, mediale Bekanntheit und strategische Kommunikation sind nicht dasselbe. Wer die falschen Experten auswählt, kann Scheinwissen oder Interessen verstärken. Sturm beschreibt deshalb, warum bekannte Namen mitunter selbst dann weiter angefragt werden, wenn in Redaktionen längst Zweifel an ihrer fachlichen Eignung bestehen.


Expertise einzuschätzen, ist für Sturm keine Frage des Bauchgefühls, sondern eine journalistische Methode. Dafür muss man nicht selbst zum Fachwissenschaftler werden. In seiner Journalisten-Werkstatt „Echte Kompetenz erkennen“ zeigt Sturm, worauf es bei Studien, Zahlen, Methoden und möglichen Interessenkonflikten ankommt. Auch künstliche Intelligenz kann bei der Recherche helfen – sie produziert allerdings ebenfalls Fehler und Halluzinationen. Sturm stellt deshalb konkrete Fragen und Werkzeuge vor, die Journalisten helfen sollen, genauer hinzusehen und die richtigen Stimmen für ihre Recherchen auszuwählen.

 

Worauf aber sollte man bei der Einschätzung von Studien konkret achten? Sturm hat dafür sieben Fragen zusammengestellt, die helfen sollen, Ergebnisse einzuordnen und mögliche Schwachstellen früh zu erkennen.

 

7 Fragen, bevor einer Studie zu trauen ist
1. Status: Ist die Studie peer-reviewed, ein Preprint (arxiv.org) oder lediglich ein Konferenzbericht?
2. Methode: Kann die gewählte Methode die Forschungsfrage überhaupt beantworten?
3. Stichprobe: Wer wurde untersucht – wie viele, wie ausgewählt und mit welchen Ausschlüssen?
4. Zahlen: Wie groß ist der Effekt tatsächlich? Werden absolute und relative Zahlen genannt?
5. Aussagekraft: Zeigt die Studie eine Korrelation oder kann sie tatsächlich etwas über Ursachen sagen?
6. Kontext: Bestätigen andere Studien das Ergebnis? Gibt es Reviews oder Metaanalysen?
7. Interessen: Wer hat die Arbeit finanziert, und welche Interessenkonflikte werden genannt?

 

Wichtig: Berichte nie allein aus der Pressemitteilung. Prüfe mindestens Methodik und Finanzierung der Originalstudie – und hole bei wichtigen oder überraschenden Ergebnissen eine unabhängige Einschätzung ein.


4 Tools gegen böse Überraschungen
1. PubPeer
Liefert Hinweise auf methodische Probleme, verdächtige Abbildungen oder andere Auffälligkeiten.
pubpeer.com
2. Retraction Watch
Hilft zu prüfen, ob ein Paper oder frühere Arbeiten einer Forschungsperson auffällig geworden sind.
retractionwatch.com
3. ImageTwin
Kann auffällige Bildduplikate auch über verschiedene Papers hinweg aufspüren.
imagetwin.ai
4. Problematic Paper Screener (PPS)
Findet unter anderem sogenannte „tortured phrases“, KI-Textreste, automatisch erzeugten Nonsens und
verdächtige Zitationsmuster.

 

  • Was ist Expertise eigentlich?
  • Der Schnittchen-Effekt
  • Neue Namen finden
  • Briefing für Neulinge
  • Methoden der Kontrolle
  • Interessenkonflikte
  • Was bei Zeitdruck hilft
  • Werkzeugkiste

Zur ganzen Werkstatt

 

 

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