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Was mit Englisch: Warum KI-Übersetzungen journalistisch problematisch sein können

Was mit Englisch: Warum KI-Übersetzungen journalistisch problematisch sein können Peter Littger

KI-gestützte Übersetzungen wirken oft korrekt, höflich und professionell. Doch gerade im Journalismus können sie Nuancen verwischen, Bedeutungen verschieben und die eigene Haltung unsichtbar machen, analysiert Peter Littger.

Salzburg – Der folgende Text erschien zuerst in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Journalist:in“. Autor ist Peter Littger, Sprach- und Kommunikationsexperte sowie Kolumnist unter anderem für die Wirtschaftswoche und ntv.de:


Seit wir Journalists „Künstliche Intelligenz“ für unsere Kommunikation bemühen, gibt es immer mehr künstliche Kommunikation – oder, auf gut Deutsch: Mist! Sie steckt auch in vielen Übersetzungen vom Deutschen ins Englische. In einer Anfrage an eine Pressestelle in einem Land, wo Englisch vielleicht nicht erste Landessprache ist. In einer anderen an einen Experten in London oder in den USA.

Ich habe den Eindruck, dass diese KK zunächst unbemerkt durchgeht, als wäre sie tatsächlich fehlerfrei, freundlich und angemessen – flawless, polite, accurate. Kurz, als wäre sie unmissverständlich und elegant.

 

Dabei lauern die Probleme nicht etwa darin, dass die KI schlechte Übersetzungen produziert. Im Gegenteil: Oft sind sie auf eine bestimmte Weise zu gut. Zu glatt, zu routiniert, zu generisch. Und übrigens: häufig mit viel zu vielen unpassenden Adjektiven, also judgements.

 

Ich sehe darin eine Gefahr für den Journalismus. Schließlich lebt unsere Arbeit von einer bestimmten, nicht irgendeiner Haltung und Kultur – von der ersten Mail bis zum fertigen Text. Mit ChatGPT und Co. geht das leicht unter.

 

Mal ist das Ergebnis übertrieben höflich, zum Beispiel wenn aus dem deutschen „Können Sie mir bitte …?“ ein Satz wird wie: „I would be extremely grateful if you could kindly …“. Andere Ergebnisse sind schlicht unhöflich, etwa der deutsche Satz „Ich benötige Ihre Antwort bis morgen“, übersetzt zu: „I need your reply by tomorrow“. Angebrachter wäre hier mehr Höflichkeit: „Could you please get back to me by tomorrow?“

 

Während die KI die Grammatik beherrscht und Kommunikationsmuster (er)kennt, besitzt sie kein Gespür für Kontexte, Biografien oder politische Empfindlichkeiten. Sie versteht nicht, wann ein knapper Satz auf Englisch professioneller wäre. Sie mischt britische und amerikanische Standards durcheinander. Sie übersieht, wenn Begriffe politisch aufgeladen oder harmlos sind.

 

Investigative Fragen können dadurch ihren Biss verlieren oder ungewollt scharf klingen. „Wir prüfen rechtliche Schritte“ ist zum Beispiel nicht automatisch „We are considering legal action“. Das bedeutet im Klartext, dass eine Klage bevorsteht – obwohl man noch darüber nachdenkt.

 

Missverständliche KK entsteht vor allem durch eine Illusion von Kontrolle. Weil die Ergebnisse der KI überzeugend erscheinen, werden sie nicht gründlich genug gegengelesen und geschärft. Dabei leben zum Beispiel journalistische Fragen – an Zeugen, Behörden oder Anwälte – von Präzision. Ein may statt must, ein could statt will kann Aussagen verfremden.

 

Allzu oft lässt die KK glasklare Anliegen ins Ungenaue abdriften und weichgespült wirken. Das schadet unserer Glaubwürdigkeit.

 

Um KK zu vermeiden, können wir die KI als Assistent einsetzen, aber dürfen sie auf keinen Fall als Autopilot nutzen. Unsere Haltung bleibt Handarbeit und unsere Kultur Kleinstarbeit!
Und wie sagt man das jetzt auf Englisch …?


Zur Person
Peter Littger ist sprachbesessener Autor und Kolumnist, unter anderem für die Wirtschaftswoche und ntv.de. Er ist Autor des Nr.-1-Bestsellers The Devil Lies in the Detail. Zuletzt erschien von ihm Hello in the Round! Der Trouble mit unserem Englisch – und wie man ihn shootet (2021).

 

 

 

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