Vermischtes
Newsroom

„Wenn Sie wüssten …“: Ist zwischen Madsack und Springer nun wieder alles okay?

„Wenn Sie wüssten …“: Ist zwischen Madsack und Springer nun wieder alles okay? Mathias Döpfner (Foto: Springer)

Auch nach der Richtigstellung des Podcasts über Springer-Chef Mathias Döpfner bleibt das Verhältnis zwischen dem RND und Axel Springer angespannt. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach journalistischer Sorgfalt, Verdachtsberichterstattung und dem Umgang mit Fehlern.

Berlin – „kress pro“-Chefredakteur Markus Wiegand befasst sich in seiner aktuellen Kolumne „Aus unseren Kreisen“ mit der Richtigstellung des RND zu Berichten über Springer-Chef Mathias Döpfner. Auf die Frage, ob sich das Verhältnis zwischen dem RND und Axel Springer nach der Richtigstellung entspannt habe, schreibt Wiegand:

 

Nein, überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Seit Kristina Dunz, Vize-Chefin des RND in Berlin, der Dokumentarfilmer Stephan Lamby und RND-Chefredakteurin Eva Quadbeck in ihrem neuen Podcast „Wenn Sie wüssten …“ berichtet hatten, dass Springer-Chef Mathias Döpfner Kanzler Friedrich Merz zu einer Zusammenarbeit mit der AfD drängen wollte, ist das Verhältnis angespannt.

 

Springer dementierte aufs Schärfste. Und tatsächlich zog das in Berlin angesehene Polit-Trio des RND die süffigen Zitate, die Döpfner gesagt haben soll, nach einigen Tagen zurück und entschuldigte sich in der anschließenden Podcastfolge bei den Hörerinnen und Hörern für die Fehlleistung: Die Zitate und die Unterstellung, Döpfner habe den Kanzler unter Druck gesetzt, ließen sich nicht belegen.

 

Das war in der von Eitelkeiten nicht freien Berliner Blase ein bemerkenswerter Akt. Bei Springer ist man allerdings dennoch weiter sauer auf das RND. Der Hauptgrund: Man hält die Entschuldigung und Richtigstellung für halbgar und vermisst tätige Reue.

 

Nachfrage bei RND-Chefredakteurin Eva Quadbeck: „Haben Sie sich bei Döpfner (oder dem Springer-Verlag) entschuldigt?“ Antwort Quadbeck: „Wir haben uns bei unseren Hörerinnen und Hörern entschuldigt. Angesichts der Reaktionen gehen wir davon aus, dass der Podcast beim Springer-Verlag gehört wurde.“

 

Da klingt nicht der dringende Wunsch durch, sich vor Döpfner in den Staub zu werfen. Und das hat vermutlich einen inhaltlichen Grund. Denn am Kern der Geschichte hält das RND fest. So sagte Stephan Lamby im Zuge der Richtigstellung im Podcast: „Der Verdacht, Döpfner habe Merz dazu bewegen wollen, mit der AfD zusammenzuarbeiten, bleibt bestehen.“ Und genau dem widerspricht Springer energisch und verweist auf Beiträge Döpfners, in denen er eine Regierungsbeteiligung der AfD kritisch sieht.

 

Juristisch ist Springer übrigens nicht gegen die Veröffentlichung vorgegangen. Allerdings kann man davon ausgehen, dass das RND vor der Richtigstellung juristische Expertise hinzugezogen hat.

 

Falls Sie jetzt wissen wollen, ob die Geschichte stimmt: keine Ahnung. Presserechtlich steht das RND aber wohl auf ziemlich dünnem Eis. Denn auch, wenn es sich nur um eine Verdachtsberichterstattung handelt, müssten die Autoren nachweisen, dass sie genügend Anknüpfungstatsachen für ihren Verdacht haben. Und den gerichtsfest zu belegen, ist nicht ganz einfach. Eigentlich könnte das nur der Kanzler selbst. Und der hat bis jetzt keine Signale in diese Richtung gegeben.

 

  • Wurde Philipp Welte beim MVFP rausgemobbt?
  • Warum musste Manager Thomas Lindner bei der FAZ gehen?
  • Nimmt Elisabeth Burda Furtwängler eine Auszeit?

Zu den Antworten


Must-Reads im aktuellen „kress pro“

  • Künstliche Intelligenz. So viel verträgt guter Journalismus
  • „Der Mensch schreibt, KI darf verbessern“. „Handelsblatt“-Chefredakteur Sebastian Matthes im Interview
  • Fünf Cases des Monats. KI-Strategie, Funkes Pilotprojekt, Podcast-Vermarktung, digitaler Vertrieb, KI-Automatisierung
  • SZ-Verlegerfamilie Friedmann. Millionenschwerer Vergleich

 

 

Sie möchten aktuelle Medien-News, Storys und Praxistipps lesen – und sich über Jobs, Top-Personalien und Journalistenpreise aus Deutschland informieren? Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter.

 

Sie haben Personalien in eigener Sache oder aus Ihrem Medienhaus? Oder ist Ihnen in unseren Texten etwas aufgefallen, zu dem Sie sich mit uns austauschen möchten? Dann senden Sie Ihre Hinweise bitte an georg.taitl@oberauer.com.