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Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Es fällt schwer, positive Erkenntnisse aus 15 Pandemie-Monaten zu ziehen. Doch es gibt sie. Chefredakteur Daniel Neuen über seinen persönlichen Lieblingssatz in der neuen Ausgabe des PR Reports.

Mein Lieblingssatz in der neuen Ausgabe des PR Reports ist eine Frage. Sie gefällt mir so gut, dass ich sie zur Überschrift dieses Editorials gemacht habe. Zugegeben: Ausgedacht habe ich mir diese Frage nicht selbst. Ich habe sie stibitzt. Und zwar aus dem Interview mit Oliver Santen.


Der PR-Chef des Bankenverbands kann der Corona-Krise nur wenig Positives abgewinnen – wie wir alle. Aber eines eben doch: „Es gibt eine reizvolle Frage, die ich mir gelegentlich selbst stelle: Wann hast Du zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht? Da bekomme ich mit Blick auf die vergangenen 15 Pandemie-Monate ein breites Grinsen im Gesicht.“


Santen ist stolz darauf, diese schwere Zeit auch als Gelegenheit genutzt zu haben. Als Gelegenheit zur Veränderung, zur Weiterentwicklung, zum Experimentieren, zum Lernen. Für sich selbst und für seine Abteilung. Damit ist er nicht allein: Der Newsroom wird für das New Normal neu gedacht, eilends errichtete Bewegtbild-Provisorien verwandeln sich in professionelle Studios (Wie genau, lesen Sie im neuen PR Report).


Weil wir keine Wahl hatten
Viele von Ihnen dürften im Rückblick ähnlich empfinden wie Oliver Santen und die obige Frage wahrscheinlich mit einer längeren Liste beantworten können: Sie haben neue Tools eingesetzt, neue Kanäle ausprobiert, neue Formate genutzt. Sie haben kleine und große Veranstaltungen digitalisiert. Sie haben Zusammenarbeit, Vorstellungsgespräche und Onboardings virtualisiert.

 

Hinzu kommt: Sie haben im Homeoffice privat und beruflich viele Rollen und viele Zerreißproben gemeistert: Mutter und Kommunikationschefin, Vater und Kundenversteher, Krankenpflegerin und Agenturgründerin, Koch und Redenschreiber, Lehrerin und Pressesprecherin, Kindergärtner und CEO-Berater, Einkaufshilfe und Social-Media-Expertin. So gut es eben ging. Oft besser.

 

Es blieb ja schließlich auch keine andere Wahl. Corona hat viele (uns beim PR Report und beim Verlag Oberauer eingeschlossen) dazu gezwungen, all die Buzzwörter mit Leben zu füllen, die den Branchendiskurs seit Jahren bestimmen: ­digital sein, agil sein, offen für Neues sein.

 

Die nächste Krise kommt bestimmt

Deshalb darf man ruhig ein wenig stolz auf sich sein. Aber bitte nicht selbstzufrieden. Denn auch wenn es bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe so aussah, als könnten wir die Pandemie endlich unter Kontrolle bekommen: Damit ist die Digitalisierung längst nicht abgehakt. Mit ihr verbunden bleibt ein radikaler Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft, den Kommunikation gestalten, begleiten und mitgehen muss. Erst recht, wenn sie den Anspruch erhebt, Speerspitze der Veränderung sein zu wollen.  

 

Wann hast Du zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht? Wir alle sollten uns diese Frage auch künftig nicht nur regelmäßig stellen, sondern entsprechend handeln. Ganz von selbst. Nicht erzwungen durch eine Pandemie oder einen anderen exogenen Schock.

 

Das ist dann zwar immer noch unbequem, macht ohne den Druck einer weltweiten Katastrophe aber sicher mehr Spaß. Und es hilft, anpassungsfähig und beweglich zu bleiben. Auch mit Blick auf die nächste Krise.

 

 

Den neuen PR Report gibt es als Print-Magazin und E-Paper. Lesen Sie darin:

 

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Die Pandemie hat bewiesen: PR funktioniert auch ohne Großraum-Zentrale. Kritiker des Modells sehen sich bestätigt. Dessen Fans aber auch. Für das New Normal wollen einige das Konzept trotzdem neu denken.


„Die Pandemie war eine gute Gelegenheit, sich zu verändern“ 
Oliver Santen baut beim Bankenverband einen neuen Newsroom. In welche Technik und welche Kompetenzen er investiert und wie darin nach Corona gearbeitet wird.

 

Welche Software kann was?
Sechs Planungstools im direkten Vergleich: Ihre Stärken und Schwächen und für wen sie besonders geeignet sind.

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