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Siegmund-Interview in Kindernachrichten: „logo!“-Chefin Knöchel rechtfertigt die Entscheidung

Constanze Knöchel wusste schon vorher, welche Reaktionen ein Interview mit AfD-Politiker Ulrich Siegmund auslösen würde. Warum sie es trotzdem führte.

Die ZDF-Kindernachrichten „logo!“ hatten AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt interviewt und dafür scharfe Kritik geerntet. In der Sendung vom 3. September hatte die bis Ende August amtierende Landesschülersprecherin Lucienne Balke sowohl Siegmund als auch Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) zu Bildungsthemen befragt; die Antworten beider Politiker wurden im Beitrag gegeneinandergeschnitten. In sozialen Netzwerken wurde kritisiert, dass der Sender in den Kindernachrichten einem Vertreter einer Partei eine Plattform biete, deren Landesverband vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.

 

Redaktionsleiterin Constanze Knöchel hatte die Entscheidung in einem ausführlichen LinkedIn-Beitrag begründet und die erwartbare Kritik selbst vorweggenommen: „Die Reaktionen darauf lassen sich vorhersagen: empörte Mails, vielleicht Programmbeschwerden, wahrscheinlich ein Shitstorm in den sozialen Medien.“ Die Alternative, kein Gespräch mit Siegmund zu führen, berge ebenso die Gefahr eines „Shitstorm 2.0“, so Knöchel weiter.

 

„Logo!“ dürfe seine Entscheidungen aber nicht danach treffen, „wo der größere Shitstorm droht“, schreibt Knöchel. Der Auftrag der Sendung sei es, Kinder über politische Entwicklungen zu informieren, „dazu gehört auch, über Parteien zu berichten, die gesellschaftlich umstritten sind, hohe Zustimmungswerte bekommen und gleichzeitig auf deutliche Ablehnung stoßen“. Die AfD sei „Teil der politischen Realität in Deutschland“; wer Kindern diese Realität erklären wolle, könne ihre Vertreter nicht einfach ausblenden. Das bedeute jedoch nicht, dass die Redaktion die Partei „unkommentiert stehen“ lasse. Man ordne ein, liefere Kontext und benenne Fakten, so Knöchel.

 

Die Redaktion habe intensiv und kontrovers über die Berichterstattung zu den Landtagswahlen diskutiert, schreibt Knöchel weiter: „Wir ringen um Formulierungen, wägen jedes Wort ab, drehen und wenden jeden Satz.“ Der eigene Anspruch sei hoch: Politische Themen sollten für Kinder verständlich gemacht und vereinfacht werden, „ohne sie zu verfälschen" – „klar, aber nicht wertend“. Ihr Fazit: „Am Ende orientieren wir uns nicht an der Frage, welcher Shitstorm droht, sondern an unserem Auftrag: Kinder brauchen verlässliche Informationen, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Auch dann, wenn es unbequem wird.“

 

Auch in der Abmoderation des Beitrags selbst hatte „logo!“-Moderator Sherif Rizkallah die Entscheidung erläutert: Er verwies auf die aus Umfragen ersichtliche Stärke der AfD in Sachsen-Anhalt sowie darauf, dass die Partei dort „eine große Rolle“ in der Politik spiele. Zugleich benannte er aber auch die Einstufung des Landesverbands als rechtsextrem durch den Verfassungsschutz.

 

 

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