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Journalistin von US-Sender Radio Liberty bleibt in russischer Haft

Ein Gericht in der russischen Millionenstadt Kasan ordnete am Montag für Alsu Kurmasheva Untersuchungshaft bis zum 5. Dezember an. Was ihr vorgeworfen wird.

Kasan (dpa) − Eine kürzlich in Russland festgenommene Journalistin des US-Auslandssenders Radio Free Europe/Radio Liberty bleibt weiter im Gefängnis. Ein Gericht in der russischen Millionenstadt Kasan ordnete am Montag für Alsu Kurmasheva Untersuchungshaft bis zum 5. Dezember an, wie die russische Agentur Interfax meldete. Auch Radio Free Europe/Radio Liberty berichtete über den Gerichtsbeschluss und forderte die sofortige Freilassung der Reporterin, die neben der US-amerikanischen auch die russische Staatsbürgerschaft besitzt.

 

Kurmasheva war in der vergangenen Woche festgenommen worden. Russlands Justiz wirft ihr vor, sich nicht als „ausländische Agentin“ registriert zu haben. Dafür drohen bis zu fünf Jahre Haft. Wer in Russland als „ausländischer Agent“ gelistet ist, muss mit zahlreichen Nachteilen rechnen. Die Einstufung soll Misstrauen gegen sie schüren und ihre Arbeit in Russland erschweren. Insbesondere seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine vor 20 Monaten geht Russland hart unter anderem gegen kritische Medien vor.

 

Die Journalistin Kurmasheva lebt Angaben ihres Senders zufolge eigentlich mit ihrer Familie in Prag und war im Mai wegen eines familiären Notfalls nach Russland gereist. Kurz vor ihrem geplanten Rückflug am 2. Juni wurde sie demnach erstmals in Kasan vorübergehend festgenommen. Die russischen Behörden hätten damals ihre Pässe beschlagnahmt und der Journalistin eine Geldstrafe auferlegt, weil sie es versäumt haben soll, ihren US-Pass in Russland zu registrieren, heißt es von Radio Free Europe/Radio Liberty. Kurmasheva habe auf die Rückgabe ihrer Pässe gewartet, als am vergangenen Mittwoch der neue Vorwurf der unterlassenen Registrierung bekanntgegeben und Kurmasheva erneut festgenommen worden sei.

 

Der Vorfall droht das ohnehin äußerst angespannte Verhältnis zwischen Russland und den USA weiter zu belasten. Anfang des Jahres hatte der russische Geheimdienst in der Millionenstadt Jekaterinburg den Reporter Evan Gershkovich vom „Wall Street Journal“ festgenommen und ihm Spionage vorgeworfen. Der US-Amerikaner mit russischen Wurzeln und die Zeitung weisen die Vorwürfe vehement zurück. Gershkovich sitzt trotzdem seit Ende März in Haft.

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