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Newsroom – Georg Taitl

Amann, Ronzheimer, Ruck: Was Journalisten vom Journalismus der Zukunft erwarten

Amann, Ronzheimer, Ruck: Was Journalisten vom Journalismus der Zukunft erwarten Melanie Amann (Foto: Peter Rigaud)

Mehr als 100 Journalistinnen und Journalisten haben zum 40. Geburtstag des „medium magazins“ über ihre Werte und ihre Vorstellungen von der Zukunft des Berufs gesprochen.

Berlin – Was zählt im Journalismus? Welche Werte sind nicht verhandelbar? Und was kann jeder Einzelne dazu beitragen, dass Journalismus auch in Zukunft funktioniert? Zum 40. Geburtstag des „medium magazins“ haben mehr als 100 Journalistinnen und Journalisten auf diese Fragen geantwortet.


Vertreten sind unterschiedliche Generationen, Ressorts und berufliche Rollen. In der Sammlung finden sich alle 20 Jahrgänge der „Top 30 bis 30“ sowie zahlreiche „Journalistinnen und Journalisten des Jahres“. Gefragt wurde nach dem persönlichen journalistischen Credo, nach dem, was im Journalismus zählt, und nach dem eigenen Beitrag zur Zukunft der Branche.

 

Fakten vor Haltung?
Bei aller Unterschiedlichkeit zeigt sich ein gemeinsamer Nenner: Recherche und das Vertrauen des Publikums stehen in vielen Antworten an erster Stelle. Zugleich gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Rolle Haltung im Journalismus spielen soll. Während einige sie ausdrücklich einfordern, stellen andere „Fakten vor Haltung“. Meinung und Aktivismus werden mehrfach klar vom Journalismus abgegrenzt.


Mit Blick auf die Zukunft geht es häufig um die Förderung des Nachwuchses und darum, das Publikum dort zu erreichen, wo es sich aufhält, ohne journalistische Standards aufzugeben. Künstliche Intelligenz und andere neue Technologien werden überwiegend als Werkzeuge betrachtet. Der Wandel wird akzeptiert, grundlegende journalistische Prinzipien sollen dabei bestehen bleiben.


Das „medium magazin“ dokumentiert 40 dieser persönlichen Bekenntnisse und fragt damit auch, welche Vorstellungen Journalisten von ihrem Beruf und seiner Zukunft haben.

 

Drei der Befragten stehen exemplarisch für die unterschiedlichen Perspektiven auf den Journalismus, seine Werte und seine Zukunft:

 

Melanie Amann, Chefredakteurin Funke Digital

Was zählt für Sie im Journalismus wirklich?
Offenheit für die Sichtweise der oder des Gesprächspartners und die Mühe, den Leserinnen und Lesern eine Berichterstattung ohne Framing zu bieten.
Was werden Sie für die Zukunft des Journalismus tun?
Ich setze mich jeden Tag dafür ein, dass wir den unabhängigen Qualitätsjournalismus von Funke erhalten können. Dabei achte ich besonders darauf, im Blick zu haben, wer die nächste Generation von Führungskräften hier ist. Und dass die Ideen junger Kolleginnen und Kollegen genug Gehör finden.
Was ist Ihr persönliches journalistisches Credo?
Sage, was ist, und „bedenke das Ende“ („respice finem“).


Paul Ronzheimer, Kriegsreporter, Podcaster, stv. Chefredakteur „Bild“

Was zählt für Sie im Journalismus wirklich?
So oft es möglich ist, von vor Ort berichten und dabei Fragen stellen, die von Neugier geprägt sind und nicht von „Haltung“.
Was werden Sie für die Zukunft des Journalismus tun?
Reportersein beschreiben als das, was es ist: Der schönste Beruf der Welt.
Was ist Ihr persönliches journalistisches Credo?
Zuhören.


Ina Ruck, Leiterin ARD-Auslandsstudio Warschau
Was zählt für Sie im Journalismus wirklich?
Zeigen, was ist. Erklären, warum es so ist. Und fragen, ob es so sein muss. Das ist wichtiger als Selbstpromotion von Reporter/innen. Auch wenn’s gegen den Trend ist: Der Inhalt zählt, nicht die Nase.
Was werden Sie für die Zukunft des Journalismus tun?
Darüber denke ich noch viel zu wenig nach. Hab genug mit Journalismus der Gegenwart – und seiner Verteidigung – zu tun. Sehe aber, dass es viele gute junge Leute in unserem Beruf gibt. Die müssen wir stärken. Dann wird das schon, die kriegen das hin.
Was ist Ihr persönliches journalistisches Credo?
Mein wichtigster Grundsatz neben dem Zeigen, Erklären und Fragen von weiter oben: Ich stehe weder über denjenigen, über die ich berichte – noch über denen, für die ich berichte. Augenhöhe, Ernstnehmen, ganz einfach.

 

Zu allen Antworten

 

Die neue „medium magazin“-Ausgabe „40 Jahre, 40 Bekenntnisse“

Hurra, wir leben noch, und das seit 1986! 40 Jahre „medium magazin“ sind ein guter Anlass für einen Rückblick – aber was nehmen wir mit in die Zukunft? Was zählt im Journalismus wirklich?, schreibt Herausgeberin Annette Milz und weiter: Das haben wir Kolleginnen und Kollegen wie Paul Ronzheimer, Tessniem Kadiri, Jochen Wegner, Eva Schulz und Yasmine M'Barek gefragt. 40 dieser Bekenntnisse finden sich im Heft, viele weitere online. Und wir machen wieder Schluss mit dem Verstecken: Die „Hidden Stars 2026“ treten ins Rampenlicht. Alle Profile jener Kolleginnen und Kollegen, die Redaktionen im Hintergrund zusammenhalten, jetzt im neuen „medium magazin“. Außerdem: War das „Spiegel“-Cover mit Ulrich Siegmund ein Fehler? Die kontroverse Debatte im „einerseits … andererseits“. Wie hat sich die Arbeit zu Rechtsextremismus verändert? Ein Interview mit Andrea Röpke und Jana Merkel. Kann ausgerechnet KI dabei helfen, bessere Texte zu schreiben? Ein Community-Impuls von Anne-Kathrin Gerstlauer. Dazu jede Menge Praxis, u. a.: So klappt es beim Podcasten mit dem Geldverdienen. 

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