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Angelique Geray: Undercover-Recherche im braunen Sumpf

Angelique Geray: Undercover-Recherche im braunen Sumpf Angelique Geray (Foto: Xander Heinl Undercover-Strategie)

Monatelang recherchierte die Investigativjournalistin verdeckt in einer rechtsextremen Jugendgruppe. Im Interview spricht sie über Vorbereitung, Sicherheit und die Grenzen einer Undercover-Recherche.

Berlin – Angelique Geray recherchierte für RTL und den „Stern“ monatelang undercover in der rechtsextremen Gruppierung „Letzte Verteidigungswelle“. Die daraus entstandene Recherche „Braune Kinderzimmer“ verarbeitete sie in Fernsehbeiträgen, einem Podcast und einem Buch. Hier die drei wichtigsten Antworten aus dem „medium magazin“-Interview mit Gunter Becker:


Wie haben Sie sich auf den Undercover-Einsatz vorbereitet?
Angelique Geray: Die Vorbereitung war enorm aufwendig und möglicherweise auch der wichtigste Teil der Recherche. Man muss zunächst verstehen, wie die Szene funktioniert, wie die Mitglieder reden, welches ihre gängigen Codes sind, welche Kommunikationsgewohnheiten sie pflegen.
Dazu hatte ich Unterstützung von meinen Kolleginnen und Kollegen bei RTL sowie von „Recherche Nord“, einer Organisation, die die rechtsextreme Szene schon lange beobachtet und dabei ein enormes Insiderwissen gesammelt hat.
Mit denen habe ich an meiner Tarnidentität, meiner Persona, gearbeitet, um sie so glaubwürdig wie möglich zu machen. Das war eher eine etwas passive Figur. Jemand auf der Suche, die noch nicht so genau weiß, wohin die Reise geht. Das ist ein recht gängiges Charakterprofil unter Rechtsextremen. Dazu gehört unter anderem: Wie trete ich online auf? Welche Biografie ist plausibel? Bei diesen Vorbereitungen waren meine Sparringspartner überlebenswichtig für mich.


Wie hat Ihre Redaktion die Recherche konkret unterstützt? Wie wichtig ist es bei einer verdeckten Recherche, eine Redaktion im Rücken zu haben? Auch viele freie Journalisten recherchieren Undercover.
Nach meiner Meinung und Erfahrung sollte man solch eine Arbeit auf keinen Fall allein machen. Man benötigt eine redaktionelle Unterstützung, die organisatorisch mithilft, rechtlich unterstützt, auch psychologisch – alles andere finde ich unverantwortlich. Es geht um ganz praktische Leistungen wie regelmäßige Sicherheitsabsprachen und feste Ansprechpartner. Wen rufe ich im Ernstfall an, auch nachts um 3 Uhr?
Ganz wichtig ist vor jedem Einsatz eine Risikoabwägung. Brauchen wir diese Aufnahmen heute wirklich? Auch auf die Gefahr hin, aufzufliegen? Hinzu kam eine juristische Beratung. Die war auch besonders wichtig, weil Minderjährige involviert waren.
Auch die emotionale Komponente sollte nicht unterschätzt werden. Ich recherchierte weitgehend alleine und isoliert, war andauernd in meiner Rolle und in diesen Kreisen unterwegs und erlebte dauernd belastende Dinge.


Kritisch diskutiert wird eine von der SZ zitierte Chatpassage, in der Sie einen Beschuldigten erneut auf das Flüchtlingsheim in Senftenberg angesprochen haben sollen. Wie ordnen Sie solche Kommunikation heute selbst ein? Wo verläuft für Sie in einer Undercover-Recherche die Grenze zwischen notwendigem Mitspielen und problematischer Einflussnahme?
Diese Passage zeigt, warum einzelne Chatnachrichten nicht isoliert bewertet werden können. Zum damaligen Zeitpunkt wurde in der Gruppe bereits konkret über einen Angriff auf ein Flüchtlingsheim gesprochen. Der mutmaßliche Plan bestand schon.
Kurz darauf gab es eine Razzia und Festnahmen. Die Situation in der Gruppe war entsprechend dynamisch. Der Beschuldigte äußerte später gegenüber seinen Mitstreitern, die "Aktion" notfalls allein durchführen zu wollen. Deshalb war es wichtig, den Kontakt zu halten und informiert zu bleiben. Mein Ziel war nicht, Einfluss zu nehmen oder etwas anzustoßen. Ich wollte die Gefahr einschätzen können. Hätte er sich zurückgezogen und eigenständig gehandelt, hätte ich keine Kenntnis über konkrete Schritte gehabt und nicht rechtzeitig reagieren können.

 

  • Hatten Sie Ihre verdeckte Recherche im inneren Kreis der rechtsextremen Jugendgruppe von Anfang an so geplant? Oder war die riskante Undercover-Recherche eine Art Ultima Ratio, weil andere Formen nicht zum Ziel führten?
  • Wie haben Sie sich auf den Undercover-Einsatz vorbereitet?
  • Als Sie feststellten, dass die Gruppe einen Brandanschlag plante, haben Sie ihre Journalistenrolle verlassen, die Polizei alarmiert und die Recherche abgebrochen. Wie ging es Ihnen dabei?


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