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Florian Schroeder über seine neue ZDF-Show „Journal Deluxe“ – „Sich rauszuhalten, ist keine Option“

Noch vor der ersten Ausstrahlung sorgt die neue Satiresendung für Diskussionen über politische Ausrichtung und die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der Satiriker spricht über Kritik aus dem linken Lager, mögliche Gäste und die Verantwortung von Satire für die Demokratie.

Mainz (KNA) – Florian Schroeder ist dieser Tage ein beliebter Interviewgast. Seine neue Satireshow „Journal Deluxe“ startet am Donnerstag im ZDF. Dass die Sendung schon vor der ersten Ausgabe so viel Aufmerksamkeit bekommt, liegt vor allem an Medienberichten, denen zufolge der Satiriker sich vor allem an Grünen und Linken abarbeiten will. Kritiker sehen darin einen Rechtsruck beim ZDF.

 

Ihn habe die Dynamik der Debatte überrascht, berichtet Schroeder im Interview des KNA-Mediendienstes. Trotzdem führt er sie gerne. Denn der Schwerpunkt auf Linken-Witzen rührt nicht aus Feindseligkeit, so der Satiriker. Eigentlich sei er selbst in diesem Milieu zuhause und sieht den Gegner vor allem im Rechtsextremismus. Und Satire habe immer Verantwortung für die Demokratie.

 

Wer kann Sie eigentlich gerade weniger leiden, Rechte oder Linke?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube, beide gleichermaßen. Wobei ich dazu sagen muss: Es sind Rechtsextreme und Linksextreme oder Linksradikale, die mich nicht ausstehen können. Wenn man von extremistischen Lagern gleichermaßen gehatet wird, hat man irgendwas richtig gemacht. Traditionell habe ich mehr Hater auf der rechtsextremen Seite und darauf bin ich auch ein bisschen stolz. Das möchte ich gar nicht ändern.

 

Wird sich der Anteil von rechten und linken Hatern durch Ihre Sendung wohl verändern?

Ich bin gespannt. So richtig voraussehen kann ich das nicht. Wahrscheinlich wird es sich beruhigen, wenn die Sendung erstmal da ist. Dann wird man sehen, dass es im Kern ja gar nicht darum geht, Leute gegeneinander aufzuhetzen oder andauernd nur zu triggern.

 

Ich höre raus, dass Sie die Aufregung um Ihre Show eher überrascht hat.

Das kann man nie planen. Wir sind mit dieser Sendung in eine Debatte geraten, die ja sehr wichtig ist: Wo stehen wir eigentlich gerade im Vibeshift? Wie weit ist er vorangeschritten, wem bieten wir eine Bühne, womit befeuern wir das, was wir verhindern wollen? Wo steht der öffentlich-rechtliche Rundfunk? Die Aufregung über die Zielrichtung der Sendung, die zwar noch keiner kennt, ist aber grundsätzlich eine gesellschaftlich sehr wichtige, an der ich sehr gerne teilnehme.

 

Sie haben Ihre Sendung als neue Satirefarbe angekündigt, die es bisher nicht gibt. Was ist denn genau neu an dem, was Sie planen?

Zwei Dinge. Formal ist es etwas, das es im deutschen Markt schon länger nicht mehr gibt, nämliche eine klassische Late-Night, die versucht, auf der Höhe der Zeit zu sein – sowohl was Comedy als auch was die Talks angeht. Wir verbinden Journalismus und Satire, indem wir eine Perspektivenvielfalt herstellen und alle zu Wort kommen lassen, die auf dem Boden des Grundgesetzes stehen und die mich interessieren. Und ich interessiere mich für sehr viel. Mit meiner Arbeit habe ich in den vergangenen Jahren vor allem Austauschsphären gesucht. Ich bin immer da hingegangen, wo Leute waren, mit denen man angeblich nicht reden sollte. Deswegen habe ich mich mit Martin Sellner beschäftigt, oder war bei den Querdenkern oder bei Julian Reichelt. Da bin ich angstfrei und ich glaube, dass Angstfreiheit etwas Gutes ist.

 

Und die zweite neue Sache?

Wir schauen mit einem anderen Blick auf Themen. Nicht mit dem Blick, mit denen reden wir oder die müssen wir von vorneherein diskreditieren. Wir schauen durch eine liberale Brille auf die Themen.

Sie haben eben gesagt, dass man alle zu Wort kommen lassen soll, die auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. Medienberichten zufolge wollten Sie gerne Alice Weidel oder Peter Thiel einladen.

 

Sehen Sie die denn noch auf dem Boden des Grundgesetzes?

Da sie bislang nicht vorbestraft sind und wir leider das Prüfverfahren für ein AfD-Verbot noch immer nicht haben, ist die AfD ein rechtsextremer Verdachtsfall und damit kann mich sich natürlich mit Alice Weidel unterhalten. Ich lege da gar keinen gesonderten Wert drauf. Wir haben sie noch nicht mal angefragt, weil es nicht unser Thema war für die ersten Sendungen. Das ist ja das Lustige, wenn irgendwelche Papiere durchgestochen werden, bei denen gar nicht hinterfragt wird, ob die eigentlich jemals wirklich aktuell oder nur ein Brainstorming waren. Aber das ist eine Differenzierungsarbeit, die nicht immer gerne geleistet wird, und wo man sich im Dienste der lauten Schlagzeile die Recherche auch gerne mal spart.

 

Also doch nicht mit Alice Weidel?

Ich würde mit Alice Weidel sprechen, aber es drängt mich nicht. Was Peter Thiel angeht: Solange deutsche Behörden – konkreter die Landespolizei in vier Bundesländern – mit Palantir zur präventiven Gefahrenabwehr arbeiten, was nun wirklich ein mehr als umstrittenes Instrument ist, muss man ihn eigentlich einladen. Schon allein, um zu erfahren, wer der Typ eigentlich ist, der das ganze Zeug herstellt.

 

Statt Alice Weidel sind jetzt Leute wie Boris Palmer und Ulf Poschardt angekündigt. Hat das ZDF Sie da ein bisschen eingehegt oder wollten erstere einfach nicht?

Wir sind in einem sehr produktiven Austausch und es ist ganz normal, dass man Gäste anfragt und dann wieder absagt. Das ist normales Redaktionsgeschäft. Ich saß selbst lange genug auf der Gästeseite und wurde von prominenten Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zwei Wochen vor einer Sendung angefragt und zwei Tage vorher wieder ausgeladen, weil man das Thema gewechselt hatte oder andere Gästekonstellationen brauchte.

 

Warum haben Sie sich denn überhaupt das ZDF für Ihre neue Satirefarbe ausgesucht? Die gelten bei Satire ja eigentlich eher als ängstlich.

Das kann ich so bisher nicht bestätigen. Ich habe mir das ZDF ausgesucht, weil ich Lust hatte, dieses Format zu machen und es dort sehr schnell auf Interesse und offene Ohren gestoßen ist.

 

Befürchten Sie nicht, dass man Ihnen reinredet, wie man etwa den Kolleginnen und Kollegen der „Anstalt“ reingeredet hat, als sie Danger Dan und Igor Levit mit einem antifaschistischen Lied auftreten lassen wollten und die Intendanz das verboten hat?

Der Sender ist die letzte Instanz und hat das letzte Wort. Wenn es zu solchen Situationen kommen sollte, wird man damit umgehen. Ich finde, dass die „Anstalt“ eine großartige Folge zur Aufarbeitung des Falls gemacht hat. So geht Diskurs. Schwierig wäre es ja gewesen, wenn eine Senderspitze gesagt hätte, wir laden die beiden Musiker aus und anschließend wird bitte eine Sendung gemacht, in der darüber nicht mehr geredet wird. Das wäre problematisch, aber das war doch ein sehr produktiver Umgang mit einer Entscheidung, die man unterschiedlich bewerten kann.

 

Wie würden Sie sie denn bewerten? Ist dem deutschen Fernsehzuschauer so viel geweitetes Meinungsspektrum nicht zuzutrauen, dass man die beiden hätte singen lassen können?

Ich meine, man hätte die beiden auftreten lassen müssen. Das ist Kunstfreiheit und ein wichtiger Beitrag in dieser Zeit. Und das sage ich als jemand, der den Song mag, aber bei den letzten Zeilen nicht mitgeht. Die Referenz an die Hammerbande ist mir fremd, dadurch verliert das Werk seine Kraft. Ich finde Kunst immer schwierig, wenn sie versucht, so konkret politisch zu werden. Und trotzdem bin ich dafür, dass genau das stattfindet.

 

Sie hatten die Vorberichterstattung über Ihre neue Sendung ja schon ein bisschen kritisiert. Der war auch zu entnehmen, dass Sie gerne mehr Witze über Grüne und Linke machen möchten. Wie viel persönlicher politischer Furor steckt hinter diesem Vorhaben und wie viel strategische Überlegung zu einer von Ihnen diagnostizierten satirischen Leerstelle?

Satire geht nur, wenn man selbst auch hinter dem steht, was man da sagt. Bei mir gibt es seit Jahren eine klare Hierarchie. Der größte Gegner ist der Rechtsextremismus. Dann erst kommen alle anderen. Zweitens: Erster Angriffspunkt ist die Regierung, weil sie die Macht und Entscheidungsgewalt hat – und zwar unabhängig davon, wer regiert. Drittes: Meine Haltung gegenüber Teilen des linken Spektrums hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt.

 

Inwiefern?

Das linke oder linksliberale Spektrum hat sich streckenweise in einer sehr bequemen Selbstvergewisserung eingerichtet. Es beklagt bei anderen eine Doppelmoral, die es selbst lebt. Das macht meine Position ja so interessant. Das ist eigentlich meine Hood, ich als Bewohner des Prenzlauer Bergs kriege doch mit, wenn es heißt: Migranten sind super, aber bitte nicht in der Klasse meiner Kinder. Oder ich bin wirklich grün, habe keine Auto und fahre Fahrrad, aber einmal im Jahr Kreuzfahrt ist schon drin. Da gibt es einfach sehr viel Material, das ich auf der Bühne seit Jahren verwende. Der zweite Punkt ist eine Entwicklung seit dem 7. Oktober 2023. Hier hat sich vor allem die linksidentitäre Truppe, die sonst jede Mikroaggression sensibel bis an die Schmerzgrenze fühlt, ad absurdum geführt, weil sie gezeigt hat, wie unempathisch, wie kalt, wie borniert, wie furchtbar regressiv sie agiert, indem sie jüdische Opfer nicht wahrnehmen wollte. Wahrscheinlich, weil sie die falsche Hautfarbe hatten. Und das hat mich zutiefst befremdet und meine Optik verändert. Ich bin deshalb nirgendwo hin konvertiert. Aber das ist das Spannende an der Sendung: Kritik des Milieus von jemandem, der dort zu Hause ist.

 

Aber wenn man häufiger mal mit Linken abhängt, weiß man, dass das Konzept „Linke, die über Linke meckern“ jetzt nicht wirklich originell ist ...

Es ist ja etwas anderes, ob man über sie meckert oder sich satirisch mit ihnen auseinandersetzt. Natürlich neigen Linke zu Grabenkämpfen und machen lieber Leute fertig, die auf der eigenen Seite stehen, anstatt den Gegner zu bekämpfen. Bis vor drei Wochen gab es Accounts, die alles geliked haben, was ich gemacht habe, und plötzlich stehe ich als Rechtsextremist da. Mir macht das nichts aus, ich kann darüber lachen. Aber wenn das Programm darin besteht, lieber Mitstreiter zu bekämpfen als den wahren Gegner, dann können wir die AfD einfach gleich regieren lassen. So werden wir sie nicht verhindern. Und das ist genau der Punkt, worüber man sich lustig machen muss, woran ich Kritik üben möchte.

 

Sie sagen, der Hauptgegner ist der Rechtsextremismus. Ist es Aufgabe von Satire, sich mit so einer klaren Zielsetzung in politische Kämpfe einzumischen?

Es ist Aufgabe von Satire, sich mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen auseinanderzusetzen. Und wenn man das tut, entwickelt man automatisch eine Haltung zu einem Thema. Sich nur lustig machen, wäre langweilig, das wäre nur Comedy. Die Aufgabe von Satire, insbesondere in einer Zeit, in der die liberale Demokratie so unter Beschuss steht, ist es schon, sich für sie starkzumachen. Sich rauszuhalten, ist keine Option.

 

Wenn wir uns auf dieses gemeinsame Ziel einigen, bleibt ja die Frage, mit welchen Mitteln der Satire man da hinkommt. Sind es Hitler-Imitationen mit Elif Eralp, die Ihnen ja zuletzt viel Kritik eingebracht haben? Wie viel Verständnis haben Sie für Manöverkritik?

Viel Verständnis. Ich lasse mich immer gerne kritisieren und ich gestehe, dass diese Parodie nicht durch meine eigene Revision gegangen ist. Der Vergleich ist nicht haltbar, es war ein Angriff auf eine Person, die das natürlich bei Weitem nicht verdient hat. Das sage ich auch deshalb so offen, weil wir alle Fehler machen, weil wir alle auch Gags machen, die wir danach scheiße finden. Und da bin ich übers Ziel hinausgeschossen.

 

Haben Sie Elif Eralp eingeladen in Ihre Sendung?

Sie stand auf der Liste, aber sie geht glaube ich im Moment nirgendwo hin und das kann ich auch verstehen. Aber es kommt Dietmar Bartsch. Das ist lustig bei den Linken, dass da immer die alten Säcke in die Talkshows kommen. Eine Partei, die so weiblich, so migrantisch und so jung ist, lässt sich permanent von Männern wie Dietmar Bartsch, Gregor Gysi oder Jan von Aken repräsentieren.

Fragen Sie Dietmar Bartsch doch mal, warum er kommt und nicht seine jungen Kolleginnen.

Sehen Sie, das ist doch zum Beispiel schon ein schönes Thema, über das man sich lustig machen kann. Es ist ein krasses Missverständnis, dass Leute glauben, der Schroeder tritt jetzt nach unten. Wenn man sich auch über Grüne und Linke lustig macht, heißt das doch nicht, dass man sich über Menschen lustig macht, die unten sind. Wenn ich jetzt Witze über Obdachlose, Grundsicherungsempfänger oder Migranten machen würde, dann würde ich sagen: Okay, du bist ein Arschloch! Aber bei Kritik an Grün und Links geht es um Menschen, die andere repräsentieren wollen, um Menschen, die Macht haben. Und wer Macht hat, ist nicht mehr unten, sondern oben.

 

Es bleibt aber doch ein schmaler Grat, jemanden satirisch anzugreifen, der sich für politische Ziele einsetzt, die den Menschen zugute kommen, die unten sind, ohne diese Menschen selbst anzugreifen.

Ja, das stimmt. Aber es geht. Man kann die Vergesellschaftungsideen der Linken infrage stellen, ohne Sympathien für Wohnungskonzerne zu haben und ohne damit etwas über Menschen zu sagen, deren Hauptthema völlig zurecht bezahlbarer Wohnraum ist.

 

Wenn Ihre Sendung all das einhält, worüber wir jetzt gesprochen haben: Ist das denn dann überhaupt noch lustig?

Ja. Wir haben die erste Sendung aufgezeichnet und sie ist lustig geworden. Aber es darf natürlich auch mal ernst sein. Diese deutsche Unterscheidung zwischen Ernst und Unterhaltung, die ist sowas von 1955 und nicht mal das ist gerecht, weil das Heinz Erhardt auch nicht interessiert hat. Und der war wirklich piefig. Eine gute Show ist wie ein Abendessen mit Freunden. Will man da die ganze Zeit nur Leute hören, die einen Witz nach dem anderen erzählen? Nein. Will man nur tiefe philosophische Gespräche? Nein. Man möchte eine Mischung aus allem.

 

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