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Karsten Wildberger beim Deutschen PR-Tag: „In der KI-Welt wird Vertrauen knapp“

Karsten Wildberger beim Deutschen PR-Tag: „In der KI-Welt wird Vertrauen knapp“ Karsten Wildberger (Foto: Christian Sommer)

Der Digitalminister hat den PR-Tag mit einem Plädoyer für technologische Souveränität, mehr Umsetzungskraft und eine neue Vertrauensarchitektur eröffnet. KI werde Wirtschaft, Verwaltung und Kommunikation grundlegend verändern – entscheidend sei nun, ob Vertrauen erhalten werden könne.

Berlin – Mit einer persönlichen Anekdote über eine täuschend echte KI-Sprachnachricht eröffnete Digitalminister Karsten Wildberger den Deutschen PR-Tag 2026 der Deutschen Public Relations Gesellschaft e. V. (DPRG). Die eigentliche Frage sei heute nicht mehr, „wie gut“ KI-Inhalte gemacht seien, sagte Wildberger, sondern: „Ist das echt? Kann ich darauf vertrauen?“ Künstliche Intelligenz verändere nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Bedingungen, unter denen Vertrauen entstehe.


Der Minister stellte seine Rede unter das Leitmotiv „Leapfrogging“ – also die Möglichkeit für Deutschland, durch KI einen technologischen Sprung nach vorne zu machen. Deutschland müsse nicht vergangene Plattformversäumnisse aufholen, könne aber bei der Einbettung von KI in Industrie, Verwaltung und kritische Infrastruktur eine führende Rolle übernehmen. Als Vorteile nannte Wildberger Industrie, Mittelstand und rechtsstaatliche Institutionen.


Zugleich kritisierte er eine Kultur der Selbsthemmung. Deutschland sei „blitzschnell geworden im Kommentieren, Bewerten, Lautwerden – und zu langsam im Umsetzen“. Wer „Leapfrogging“ ernst meine, müsse diese Haltung überwinden.


Als Beispiele für Fortschritte nannte Wildberger drei Projekte seines Ministeriums:

  • Infrastruktur-Genehmigungsverfahren seien mithilfe agentischer KI weitgehend automatisiert worden, der Aufwand sinke um mehr als 80 Prozent.
  • Der geplante „Deutschland-Stack“ solle eine gemeinsame digitale Infrastruktur für Verwaltung und Wirtschaft schaffen. Die EUDI-Wallet solle ab Januar 2027 einsatzbereit sein.
  • Die Kooperation von Schwarz Gruppe, Aleph Alpha und Cohere bezeichnete Wildberger als Beispiel technologischer Souveränität mit gemeinsamer europäischer Wertebasis.

 

Der Minister warnte zugleich vor einfachen Antworten im Umgang mit KI. Weder Technologie-Euphorie noch pauschale Ablehnung würden der Situation gerecht. „Wir müssen die Ambivalenz aushalten“, sagte Wildberger. Ablehnung stoppe KI nicht, sondern führe nur dazu, dass andere die Kontrolle übernehmen.


Besonders ausführlich sprach Wildberger über die Rolle der Kommunikationsbranche. Kommunikation arbeite „am Betriebssystem des Vertrauens“, sagte er. In einer KI-Welt werde nicht mehr Aufmerksamkeit die knappste Ressource sein, sondern Vertrauen. KI könne Inhalte erzeugen, aber keine Verantwortung übernehmen.


Für die Branche sieht Wildberger vier zentrale Veränderungen:

  • Vertrauen werde wichtiger als Aufmerksamkeit.
  • Glaubwürdigkeit werde zunehmend technisch überprüfbar – etwa durch Standards zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte.
  • PR verschiebe sich „von Verpackung zu Architektur“: Gefragt seien Verantwortung und Nachweisbarkeit.
  • Die menschliche Stimme werde wertvoller, nicht überflüssig.

 

Zum Abschluss warb Wildberger für mehr Gestaltungswillen in Deutschland. Ziel müsse ein Land sein, „das sich wieder stark anfühlt“, weil Dinge funktionierten und Vertrauen entstehe. „Wer in dieser Zeit gestaltet, gestaltet die Zukunft. Wer nicht gestaltet, wird gestaltet“, sagte der Minister.

 

 


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