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KNA

„Ostdeutsche Allgemeine Zeitung“ gestartet

Die erste Ausgabe der „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“ provoziert mit dem Titel „Vorsicht, Freiheit“. Verleger Holger Friedrich will mit dem neuen Blatt zum „Leitmedium für Ostdeutschland“ werden.

Dresden (KNA) – Die erste Ausgabe der neuen „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (OAZ) ist am Freitag mit dem provokanten Titel „Vorsicht, Freiheit“ erschienen. Mit der neuen Zeitung, die jeweils freitags als gedruckte Ausgabe und unter der Woche online erscheinen soll, will Verleger Holger Friedrich ein „Leitmedium für Ostdeutschland“ schaffen.


Die OAZ trete an „gegen Stigmatisierung, für Diskurs auf Augenhöhe in Politik und Medien“, schreiben Friedrich und seine Frau Silke in einem Editorial zur ersten Ausgabe. „Mit der ‚OAZ‘ wollen wir den Beweis erbringen, dass mit auf Erkenntnis ausgerichteter Diskurskultur mehr möglich ist. Mehr für die Menschen in Ostdeutschland, mehr für Gesamtdeutschland, mehr für uns alle“, heißt es weiter.

 

Holger und Silke Friedrich hatten bereits 2019 die „Berliner Zeitung“ und das Boulevardblatt „Berliner Kurier“ übernommen. Friedrichs Auftreten als Verleger und sein Stil bei der „Berliner Zeitung“ sind dabei umstritten. Er will nach eigenen Angaben den „Meinungsvorhang weiter aufziehen“ und „die Debatte führen, was für die Gesellschaft wirklich relevant ist“. Im Untertitel der ersten „OAZ“-Ausgabe heißt es: „Der Staat traut den Menschen nicht mehr zu, für sich selbst zu entscheiden. Er will sie vor Meinungen, Medien und Parteien schützen. Das gefährdet die Demokratie.“

 

„OAZ“ will ostdeutschen Stereotypen widersprechen

Zur Kritik an diesem Kurs heißt es im Editorial, der unsouveränere Teil des Medienmarktes reproduziere erwartbar „die üblichen hilflosen Floskeln: ‚Dunkeldeutschland‘, ‚Kremlfreunde‘, ‚Antisemitismus‘, ‚Steigbügelhalter‘, ‚Stasi‘“. Dies seien „Stigmatisierungsreflexe, mit denen allzu oft auf ostdeutsche Initiativen, ostdeutsche Biografien und ostdeutsche Wortmeldungen reagiert wurde“. Mit der „OAZ“ wolle man „den ostdeutschen Stereotypen energischer widersprechen, Repräsentationslücken schließen und eine ostdeutsche Erzählung verstärken“, so Silke und Holger Friedrich weiter.

 

In den Leitlinien des Blattes heißt es unter der Überschrift „Perspektivenvielfalt statt Scheinsicherheit“, dies schließe auch „unbequeme und zunächst irritierende Perspektiven ein“. In der Erstausgabe des Blattes findet sich unter anderem ein ausführliches Interview mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU), direkt gefolgt von einem langen Porträt des AfD-Vorstandssprechers Tino Chrupalla.

 

Chefredakteur der „OAZ“ ist Dorian Baganz, der von der Wochenzeitung „Der Freitag“ kommt. Eine umstrittene Personalie ist Florian Warweg, der als Parlamentsberichterstatter für die „OAZ“ aus Berlin berichtet. Warweg arbeitete früher für das mittlerweile verbotene, von Russland finanzierte Portal „RT Deutsch“ und das Online-Magazin „Nachdenkseiten“, dem die Verbreitung von Verschwörungsideologien vorgeworfen wird. In der Erstausgabe der „OAZ“ ist Warweg mit einem Beitrag über die Bundespressekonferenz mit dem Titel „Die stille Zensur“ vertreten.

 

 

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