Vermischtes

Presserat lehnt Kennzeichnungspflicht für KI-Texte ab

Der Deutsche Presserat spricht sich gegen eine generelle Kennzeichnungspflicht für mit KI verfasste Texte aus. Sprecher Moritz Döbler verweist auf die bestehenden Regeln des Pressekodex.

Berlin (KNA) – In der aktuellen Debatte um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in den Medien hat sich der Deutsche Presserat gegen eine grundsätzliche Kennzeichnungspflicht für mithilfe von KI verfasste Beiträge ausgesprochen.

 

„Es ist sehr schwer zu definieren, ab wann ein Text ganz oder überwiegend KI-generiert ist. Als Presserat haben wir nicht darüber zu befinden, welche Technologie eingesetzt wird“, sagte der Sprecher des Selbstkontrollgremiums der deutschen Presse, Moritz Döbler, im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag.

 

„Pressekodex ist klar genug“

Der Presserat müsse technikunabhängig sicherstellen, dass die ethischen Maßstäbe eingehalten werden, so Döbler, der Chefredakteur der „Rheinischen Post“ ist: „Hier sind die bestehenden Artikel des Pressekodex klar genug.“

 

Bei Bildern, Illustrationen und Videos bestehe dagegen eine Kennzeichnungspflicht, weil KI-generierte Aufnahmen „leicht als echte Fotos oder dokumentarische Videos aus dem wahren Leben missverstanden werden“, so Döbler weiter.

 

Erstaunen über Casdorff

Zum Fall des aktuell von seinen Aufgaben entbundenen „Tagesspiegel“-Journalisten Stephan-Andreas Casdorff meinte Döbler: „Ich verstehe es nicht, dass sich ausgerechnet Casdorff weitgehend bei der KI bedient haben soll.“ Er kenne den früheren „Tagesspiegel“-Chefredakteur als „wortgewaltigen Journalisten, der mit seinem herausragenden Stil Generationen von Journalisten – auch mich – mit seinen Meinungsbeiträgen inspiriert hat“.

 

Der „Tagesspiegel“ hatte Ende vergangener Woche mitgeteilt, dass sein heute als Editor at Large für das Blatt tätiger früherer Chefredakteur und Herausgeber offenbar mehrere Kommentare mit KI verfasst hatte. Diese wurden aus dem Online-Angebot des Blattes entfernt und werden aktuell weiter überprüft. Casdorff selbst sagte dem „Tagesspiegel“: „Ich habe einen Riesenfehler gemacht.“

 

 


Sie möchten aktuelle Medien-News, Storys und Praxistipps lesen – und sich über Jobs, Top-Personalien und Journalistenpreise aus Deutschland informieren? Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter.

 

Sie haben Personalien in eigener Sache oder aus Ihrem Medienhaus? Oder ist Ihnen in unseren Texten etwas aufgefallen, zu dem Sie sich mit uns austauschen möchten? Dann senden Sie Ihre Hinweise bitte an georg.taitl@oberauer.com.