Vermischtes
Newsroom – Georg Taitl

„Spiegel“ beleuchtet eigene braune Vergangenheit

„Spiegel“ beleuchtet eigene braune Vergangenheit Rudolf Augstein 1991 (Foto: IMAGO / teutopress)

Eine neue Biografie über „Spiegel“-Herausgeber Rudolf Augstein zeigt die NS-Vergangenheit von Mitarbeitern der frühen Redaktion. Demnach waren darunter frühere NSDAP-Mitglieder sowie Angehörige von SS und Waffen-SS.

Hamburg – Der „Spiegel“ beleuchtet die nationalsozialistische Vergangenheit seiner frühen Redaktion. In einer neuen Biografie über Herausgeber Rudolf Augstein schreiben die Autoren Martin Doerry und Hauke Janssen, die frühe Redaktion sei „von Anfang an nationalsozialistisch kontaminiert“ gewesen.


Für die Gründungsredaktion wählten die britischen Presseoffiziere Harry Bohrer und Henry Ormond demnach wohl aus „Mangel an Alternativen“ drei Redakteure mit Nähe zum Nationalsozialismus aus.

 

Lediglich Augstein selbst galt als unbelastet. „Wer 1946 journalistische Erfahrung besaß, hatte sie in der Regel im Hitlerdeutschland erworben“, schreiben Doerry und Janssen. Die Presseoffiziere hätten sich darum bemüht, „nur Kandidaten mit geringer politischer Belastung aufzunehmen“.


Augstein habe diesen Vorsatz jedoch schon bald aufgegeben. Er habe „in wachsender Zahl NS-Belastete in die Redaktion“ geholt, weil er sich von ihnen Expertenwissen erhofft habe. Gleichzeitig kritisierte der „Spiegel“ die Rückkehr ehemaliger Nationalsozialisten in staatliche Ämter.


Besonders deutlich sei die „nazistische Prägung“ des frühen „Spiegel“ in einer Reihe von Serien geworden, die Augstein 1949 und 1950 druckte. Nach Angaben der Autoren erschienen im Magazin damals auch eindeutig antisemitische Texte.


Die meisten „Spiegel“-Mitarbeiter mit NS-Vergangenheit verließen das Magazin demnach gegen Ende der 1950er Jahre, als die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik erstmals an Bedeutung gewann. „Augstein verhielt sich im Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe nie konsequent“, schreiben Doerry und Janssen.

 

 

 

Sie möchten aktuelle Medien-News, Storys und Praxistipps lesen – und sich über Jobs, Top-Personalien und Journalistenpreise aus Deutschland informieren? Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter.

 

Sie haben Personalien in eigener Sache oder aus Ihrem Medienhaus? Oder ist Ihnen in unseren Texten etwas aufgefallen, zu dem Sie sich mit uns austauschen möchten? Dann senden Sie Ihre Hinweise bitte an georg.taitl@oberauer.com.