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Neue Studie: Nachrichtenagenturen konkurrieren immer öfter mit ihren Kunden

Wenn Nachrichtenagenturen auf eigenen Portalen ihre Berichte kostenlos veröffentlichen, gibt es für die Nutzer keine Unterschiede mehr zu klassischen Medienangeboten.

Madrid - Die Nachrichtenagenturen werden als Online-Zeitung wahrgenommen, die ursprünglichen Großhändler konkurrieren dann um die Aufmerksamkeit und Werbegelder mit ihren eigentlichen Kunden, den Medien.

Das geht aus einer Studie hervor, die vergangene Woche in Madrid vorgestellt wurde. Für die Studie beantworteten Geschäftsführer, Direktoren und Ressortleiter von nationalen Zeitungen, Zeitschriften, Fernseh- und Radiosendern und Onlinediensten sowie die Kommunikations-Chefs der wichtigsten spanischen Unternehmen, die im Aktienindex Ibex 35 geführt werden, die Fragen der Wissenschaftler. Die Studie vorgestellt haben die spanische Nachrichtenagentur Servimedia und die Kommunikationsagentur Estudio de Comunicacion an der Universidad Complutense de Madrid.

Hauptthema: Beziehung zu Kunden hat sich geändert

Mit der Digitalisierung und der kostenlosen Online-Verbreitung von Nachrichten hat sich die Beziehung von Agenturen zu ihren Kunden, den klassischen Medien, dramatisch verändert. Laut der Studie gibt es immer weniger Unterschiede zwischen Nachrichtenagenturen und den Online-Angeboten der Zeitungen.

Kritisch sehen die Medienverantwortlichen die Konkurrenz durch die Nachrichtenagenturen, der Wettbewerb um die schnellsten Nachrichten und um die Werbegelder werde noch stärker zunehmen. Andere akzeptieren den eingeschlagenen Weg der Nachrichtenagenturen, ihre Beiträge auch selbst zu veröffentlichen, und glauben, dass dies ein Weg sein könnte, damit sich Nachrichtenagenturen in der Zukunft finanzieren können.

Hintergrund

Die spanischen Nachrichtenagenturen profitieren von der Möglichkeit, auch in Nord- und Südamerika ihre Beiträge ohne Anpassung verbreiten zu können. Als größte spanische Nachrichtenagentur und viertgrößte Agentur der Welt gilt die staatliche Agencia EFE, die eng mit der Deutschen Presse-Agentur zusammenarbeitet. Deutlich kleiner, aber immer noch relevant sind die privaten Nachrichtenagenturen Europa Press und Servimedia, die als Fachagentur ihren Schwerpunkt auf Themen setzt, die sonst zu wenig Aufmerksamkeit erhalten (Soziales, etc.).

Deutschsprachiger Agenturmarkt

In Deutschland ist es von den großen Agenturen einzig Reuters, das seine Nachrichten komplett kostenfrei im Netz anbietet. Eine Auswahl aus dem Multi-Media-Angebot bebilderter Meldungen von AFP Deutschland und dem Sport-Informations-Dienst (sid) werden direkt von Google gehostet, AFP wird dafür von der Suchmaschine bezahlt. Die Austria Presse Agentur (APA) stellt in Österreich einen Teil ihrer Berichte komplett auf der eigenen Website online, bei der Schweizerischen Depeschenagentur (sda) und der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gibt es keinen kostenfreien Newsfeed auf den eigenen Seiten. Bei den kirchlichen Agenturen KNA und epd werden auf den eigenen Seiten lediglich Überschriften veröffentlicht, das Lesen ganzer Meldungen ist nicht möglich.

Besonders weit mit der Etablierung der eigenen Marke im Web ist die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti, die Nachrichten nicht nur in Russisch und Englisch, sondern auch in deutscher Sprache veröffentlicht. Sie erreicht jeden Monat 20 Millionen Unique Users.

Bülend Ürük

Newsroom.de-Service: Die komplette Studie (in Spanisch) kann direkt hier heruntergeladen werden.