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KNA

BBC streicht bis 2028 nochmal 2.000 Stellen

Kurz vor Amtsantritt des neuen BBC-Chefs Matt Brittin verkündet die BBC weitere drastische Sparmaßnahmen. Bis 2028 sollen rund zehn Prozent aller Arbeitsplätze wegfallen – das sind rund 2000 Stellen.

London (KNA) Die britische BBC hat angekündigt, im Rahmen der laufenden Sparmaßnahmen bis 2028 noch einmal rund 2.000 Stellen zu streichen. Das entspricht mehr als zehn Prozent der insgesamt rund 21.000 Arbeitsplätze bei dem öffentlich-rechtlichen Medienhaus.


Die Ankündigung am Mittwoch dieser Woche kam aus heiterem Himmel und überraschte die Mitarbeitenden, Gewerkschaften und auch die britische Politik. Medienministerin Lisa Nandy sagte am Donnerstag im Unterhaus, der Stellenabbau habe „sehr, sehr starke Auswirkungen“ auf die Stimmung bei der BBC, müsse aber auch „alle Menschen im Land beunruhigen“. Sie forderte, die Mitarbeitenden bei der Entwicklung der Sparpläne zu beteiligen.

 

In den sozialen Medien kritisierten vor allem jüngere BBC-Mitarbeiter, dass sie voraussichtlich am stärksten vom Stellenabbau betroffen sein würden, während die Leitungsebene und hoch bezahlte Moderatorinnen und Moderatoren eher ausgespart blieben. Nach BBC-Angaben soll erst im September feststehen, wo welche Arbeitsplätze wegfallen.

 

Neuer Chef tritt am 18. Mai an

Die Hiobsbotschaft wurde am Mittwoch bei einer Online-Mitarbeitendenversammlung von BBC-Interims-Chef Rhodri Talfan Davies verkündet – wohl auch, damit sie den Amtsantritt des neuen BBC Director General Matt Brittin nicht überschattet. Der frühere Google-Vorstand tritt seinen Job am 18. Mai an und löst den bereits im vergangenen Jahr zurückgetretenen bisherigen BBC-Chef Tim Davie ab.

 

Davie hatte im November 2025 wegen einer unsauber zusammengeschnittenen Rede von US-Präsident Donald Trump in einer vor den US-Wahlen 2024 ausgestrahlten BBC-Dokumentation seinen Rücktritt erklärt. Trump hat in diesem Zusammenhang die BBC wegen angeblicher Verleumdung in den USA auf Schadenersatz in Milliardenhöhe verklagt, obwohl die fragliche Sendung dort gar nicht zu empfangen war. Ob der Fall vor Gericht kommt, wird sich erst 2027 entscheiden.

 

Die BBC hatte bereits im Februar angekündigt, bis 2028 rund 600 Millionen Pfund (ca. 688 Mio. Euro) einsparen zu müssen. Die Angebote der BBC sind werbefrei und finanzieren sich ganz überwiegend aus der in Großbritannien immer noch gerätebezogenen Fernsehgebühr. In den vergangenen Jahren hatten immer mehr Menschen die Zahlung dieser Licence Fee, deren Höhe vom Parlament bestimmt wird, verweigert. Mehrere Regierungen hintereinander hatten zudem die Gebühr gedeckelt und trotz hoher Inflationsraten nicht oder nur marginal erhöht, wodurch die BBC nach eigenen Aussagen bereits seit Jahren nicht mehr ausreichend finanziert sei.

 

2027 läuft die aktuelle Royal Charter, die die Rechtsgrundlage der BBC bildet, aus. Bei den anstehenden Neuverhandlungen mit der Regierung will Medienministerin Nandy auch die Frage nach einem neuen Finanzierungsmodell für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Großbritannien klären.

 

 

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