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ORF-Generaldirektion: Ingrid Thurnher kandidiert nicht

Die interimistische Generaldirektorin des österreichischen ÖRR brauche „die Hände frei“ für Reformen, Aufarbeitung und Entscheidungen, „die möglicherweise wehtun werden“, erklärte sie in einem Schreiben an die Belegschaft.

Wien – Ingrid Thurnher wird sich nicht um die ORF-Generaldirektion für die Amtsperiode ab 2027 bewerben. Das teilte die derzeitige ORF-Chefin am heute, dem letzten Tag der Bewerbungsfrist, in einer E-Mail an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit.

 
Thurnher hatte den ORF nach dem Abgang von Roland Weißmann übernommen. Seither sorgten mehrere Debatten und Affären rund um den ORF – unter anderem über Führungskultur, politischen Einfluss und Personalentscheidungen – für Unruhe am Küniglberg.
 
Eine weitere Bewerbung wäre zwar reizvoll gewesen, schrieb Thurnher, sie brauche nun aber „die Hände frei“, um jene Reformen umzusetzen, die sie bei ihrem Amtsantritt angekündigt habe. Die Entscheidung, nicht erneut anzutreten, bringe ihr „eine gewisse Freiheit mit sich: Ich muss nicht taktieren, ich muss nicht tun, was opportun ist.“
 
Ihr Programm aus „Transparenz. Konsequenz. Aufarbeitung.“ wolle sie konsequent weiterführen. Dazu gehörten Entscheidungen, die „möglicherweise weh tun“ und „Widerstand auslösen“ würden. Der von ihr eingesetzte Transparenzbeirat werde noch vor dem Sommer seinen Bericht vorlegen.
 
Zugleich appellierte Thurnher an den ORF-Stiftungsrat und die Politik. Sie erwarte, dass die Entscheidung über die neue ORF-Führung „im Interesse des Publikums und eines starken ORF“ getroffen werde. An die Politik richtete sie den Appell, sich „mit Zurufen zurückzuhalten“. Der ORF sei „nicht der Spielball der Politik“ und gehöre dem Publikum.
 
Bis zum Ende ihrer Amtszeit werde „nicht auf Pause gedrückt“, kündigte Thurnher an. Sie wolle die künftige ORF-Führung beim Übergang unterstützen und gemeinsam an weiteren Sparmaßnahmen arbeiten. Hintergrund sind zusätzliche finanzielle Belastungen für den ORF: Ab 2027 soll ein Bundeszuschuss von jährlich 70 bis 90 Millionen Euro entfallen, zugleich bleibt der ORF-Beitrag gesetzlich bis 2029 eingefroren.

 


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