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Sport und Länder streiten über Sponsoring-Verbot

DOSB-Präsident Thomas Bach sprach von einer Zäsur in der Sportvermarktung, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit einschränke: "Dadurch wird ein tiefer Graben durch die Sportlandschaft gezogen und eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geschaffen."

Frankfurt/Hannover (dpa) - Der deutsche Sport schlägt Alarm. Die Fachverbände befürchten Einnahmerückgänge, und auch ARD und ZDF gehen von gravierenden Einschnitten aus. Das von den Ministerpräsidenten beschlossene Sponsoring-Verbot im öffentlich-rechtlichen Fernsehen von 20.00 Uhr hat massive Kritik und großes Unverständnis ausgelöst. "Dadurch wird ein tiefer Graben durch die Sportlandschaft gezogen und eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geschaffen", kritisierte DOSB- Präsident Bach am Freitag aus dem fernen Mexiko die Entscheidung der Politiker auf ihrer Tagung in Magdeburg.

Der Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sieht in der Regelung, eine Zäsur in der Sportvermarktung, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit einschränke. Betroffen sind vor allem kleine oder mittlere Sportarten wie der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) und der Deutsche Skiverband (DSV). "Viele kleinere Sportarten werden wie ein Licht nur zu Olympia angeknipst und danach wieder ausgeschaltet. Das ist zu wenig. Wir brauchen mehr Ausgewogenheit", appellierte Bach an ARD/ZDF, trotz der Änderung die Grundversorgung bei Sportübertragungen sicherzustellen.

Aber auch die öffentlich-rechtlichen Sender - für die Privatsender gilt das Sponsoring-Verbot nicht - müssen den Gürtel enger schnallen. "Es brechen erhebliche Summen weg", sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Zu der Größenordnung konnte er nichts sagen: "Das müssen wir im Detail noch prüfen." Balkausky kündigte Sparmaßnahmen an. "Entweder erhalten die Sportverbände weniger Geld oder wir treten beim Rechteerwerb kürzer", sagte der ARD-Sportkoordinator.

Die Änderung im Rundfunkstaatsvertrag soll ab 1. Januar 2013 greifen. Sie sieht werktags nach 20.00 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen ein generelles Sponsoring-Verbot vor. Derzeit werden sonntags vor allem die mehrstündigen Wintersport-Übertragungen durch Produkthinweise unterstützt. Ausgenommen vom Sponsoring-Verbot sind allerdings Großereignisse wie Olympische Spiele, Fußball-WM und EM oder Pflicht-Länderspiele des DFB-Teams.

"Bei aller Wertschätzung für den Fußball - dadurch wird zukünftig ganz klar mit zweierlei Maß gemessen. Vor allem die Ausnahmeregelung ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar. Ein Halbfinale im DFB-Pokal gilt als Großveranstaltung und ist damit von der Regelung ausgenommen - eine Ski-WM mit mehreren 100.000 Zuschauern vor Ort und Millionen vor den Fernsehschirmen fällt aber nicht unter diese Kategorie", klagte Ski-Präsident Alfons Hörmann über die "klare Benachteiligung aller Sportarten gegenüber dem Fußball."

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hielt sich mit einer Bewertung zurück. "Ich glaube, dass das ein sehr ernstes Thema ist, und ich glaube auch, dass diese Thematik die Medienlandschaft verändern wird", sagte Ligapräsident Reinhard Rauball.

Die Bundesländer verteidigten das geplante Verbot gegen die Kritik aus dem Sport. "Es ist unser politischer Wille, dass öffentlich- rechtliche Sender stärker von der Werbung Abstand nehmen und eben Gebühren einsetzen, um ihr Programm zu gestalten", sagte der rheinland-pfälzische Regierungschef Kurt Beck (SPD). Er ist der Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder. Beck verwies zudem auf die Ausnahmeregelung bei Großereignissen.

DOSB-Präsident Bach sieht auch negative Auswirkungen für die Olympia-Bewerbung von München für die Winterspiele 2018. Die Wintersport-Begeisterung der deutschen Bevölkerung sei eines der gewichtigsten Argumente der Bewerbung. Weniger TV-Zeit für den Wintersport wäre deshalb mit Blick auf 2018 ein "verheerendes Signal", argumentierte die DOSB-Führung.

ARD und ZDF hatten bereits im Vorfeld vor dem Sponsoring-Verbot gewarnt. Nach einer Studie des ARD-Werbezeitenvermarkters AS&S könnten mit der Änderung 40 Prozent der Sportsendungen im Ersten nicht mehr durch ein Programm-Sponsoring begleitet werden. "Damit droht eine massive Verarmung der deutschen Sportlandschaft", heißt es in der Studie. Sie prognostiziert auch weitreichende Auswirkungen auf die Einnahmesituation der Sportveranstalter.