Leute
Newsroom

Was Anton Betz den Zeitungsverlegern ins Stammbuch schrieb: "Gewinne müssen zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung genutzt werden"

Anton Betz gilt als einer der bedeutendsten deutschen Verleger nach dem Zweiten Weltkrieg. Ohne ihn würde es keine "Rheinische Post", keine "Deutsche Presse-Agentur" und keine "Katholische Nachrichten-Agentur" geben.

Düsseldorf - Anton Betz, der aus einfachen Verhältnissen stammte, kam am Samstag vor 120 Jahren, am 23. Februar 1893, zur Welt, er starb am 11. Dezember 1984 in Düsseldorf im Alter von 91 Jahren. Noch heute gelten seine vier Prinzipien als Erfolgsfaktoren für guten Journalismus.

Für Betz, den leidenschaftlichen Journalisten und streitbaren Zeitungsherausgeber, gab es vier Thesen für erfolgreiche und wirtschaftlich gesunde Tageszeitungen: Eine politisch orientierte Zeitung sollte keine identisch orientierte regionale Konkurrenz haben. Für ein wirtschaftlich und publizistisch gut organisiertes Blatt ist es notwendig, Fachpersonal zu engagieren und fachfremde äußere Einflüsse auszuschließen. Gewinne müssen zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung genutzt werden. Eine Zeitung darf auch dann nicht einseitig berichten, um einen möglichst breiten Personenkreis zu erreichen.

Betz war Demokrat durch und durch. Der Katholik engagierte sich parteipolitisch für die CDU, ab dem Jahr 1945 trieb er die Gründung einer unabhängigen deutschen Nachrichtenagentur voran, schließlich wurde er der erste Aufsichtsratsvorsitzende der "Deutschen Presse-Agentur", auch bei der KNA, der Katholischen Nachrichten-Agentur, gehörte er zu den Gründungsmitgliedern, von 1963 bis 1967 war er Präsident des BDZV, des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger.

"Der neue Verleger" hatte Anton Betz seinen Beitrag im "Handbuch Deutsche Presse" betitelt, das im Jahr 1947 erschien. NEWSROOM veröffentlicht Auszüge aus dem Beitrag, um auch heutige Verleger daran zu erinnern, welche Verantwortung sie tragen, welche großen Schuhe ihnen passen müssen.

"Der neue Verleger steht heute neuen Aufgaben gegenüber. Aber das, was den guten alten Verleger ausmachte, muß auch der neue Verleger in sich haben: eine angeborene Lust und Liebe zur Zeitung, weiten Blick und Mut.

Die besondere Mitgift besteht heute darin, daß viele neue Zeitungsverleger selbst über eine reiche journalistische Praxis verfügen, wenn nicht sogar unmittelbar aus dem Journalistenstand kommen. Zu dieser vorherrschenden Gruppe sind politische Persönlichkeiten gestoßen, die irgendwo im öffentlichen Leben stehen und entweder Mittelpunkt oder Helfer der Publizistik sind, die aber nicht unmittelbar mit dem täglichen Handwerk der Zeitung sich befassen.

Man erwartet von ihnen Anregung und Antrieb und sieht in ihnen die nimmermüde Verbindung zwischen Zeitung und Öffentlichkeit im weitestem Sinne des Wortes. Der Stand der Verleger ist also regelrecht durchgeknetet worden, und nur ganz wenige Verleger ragen aus der alten Zeit in die neue Zeit hinein."

Verleger und Chefredakteur sind die Zeitung

"Verleger und Chefredakteur bedeuten zusammen: die Zeitung. So war es früher, so ist es heute, und so wird es auch in Zukunft sein. Ein steter Anlas zu Aussprache, Anregung, Forderung war und ist das Verhältnis des Verlegers zur Redaktion, repräsentiert durch den Chefredakteur, mit anderen Worten: die Abgrenzung der Tätigkeit und Verantwortung dieser beiden Träger der Zeitung. Ich habe von jeher die Meinung vertreten und in der Praxis verwirklicht, daß in der Zeitung die letzte Verantwortung bei einem Mann liegen muß, beim Verleger (im Sinne des Herausgebers).

Der Chefredakteur ist der Kopf der Redaktion. Es entspricht der gesunden und bewährten Auffassung, daß der Chefredakteur, der das Vertrauen des Verlegers hat, in der Redaktion selbständig arbeiten und disponieren kann. In entscheidenden Fragen, z.B. der Präzisierung der politischen Linie der Zeitung, wird zwischen dem Chefredakteur und dem Verleger eine Aussprache stattfinden müssen.

Da der Verleger (=Herausgeber) die letzte Verantwortung trägt, muß im Falle der zwiespältigen Meinung die Entscheidung bei ihm liegen. Ist der Chefredakteur anderer Meinung, dann steht ihm der Wechsel zu einer ihm besser passenden Zeitung frei. Grundsätzlich wird der Verleger schon aus Achtung vor jeder geistigen Arbeit dem Chefredakteur bis zur letzten tragbaren Grenze alle Möglichkeiten überlassen und auf die anregende Aussprache größeren Wert legen als auf die einseitige Entscheidung.

Chefredakteure sind keine Professoren

Es gibt Journalisten, die die Auffassung vertreten, daß der Chefredakteur als Sprecher der Öffentlichkeit die Zeitung ohne jede Bindung führen könne. Der Chefredakteur vergleicht seine Aufgabe mit dem Lehrauftrag des Universitätsprofessors, der mit seinem Mandat nach Gutdünken verfahren kann. Dieser Anspruch ist meines Erachtens überspitzt. Zunächst muß eine Zeitung, vor allem die parteiliche Zeitung, eine Grundlinie haben, die vom Herausgeber (Lizenzgremium) bestimmt wird; diese Grundlinie ist für die Redaktion bindend, andernfalls darf der Chefredakteur sein Amt bei dieser Zeitung nicht übernehmen.

Außerdem ist die Zeitung nicht in dem Sinne öffentliche Einrichtung wie eine Hochschule, da ihre wirtschaftliche Grundlage nicht aus Zuschüssen der Öffentlichkeit, sondern nur aus ihrer eignen Arbeit gegeben werden muß. Es ist sogar ein Merkmal der Unabhängigkeit einer Zeitung, daß sie sich ihre wirtschaftliche Grundlage selbst schafft und von fremden und erst recht staatlichen Zuschüssen sich freihält.

Schließlich ist es mit dem Lehrauftrag des Universitätsprofessors eine eigne Sache. Wer möchte behaupten, daß z.B. von den philosophischen Lehrstühlen Deutschlands immer Weisheit ausging? Die Grundlinie, die sich eine Zeitung selbst gibt und die für den Chefredakteur verbindlich ist, ist eine viel sicherere Gewähr für die Erfüllung der journalistischen Aufgabe als irgendeine in der Luft hängende Verpflichtung an die Öffentlichkeit.

Gelegentlich hört man von Journalisten früherer Parteizeitungen die Ansicht, daß der Verleger nur die technischen Möglichkeiten zu schaffen habe, damit der Chefredakteur die Zeitung führen könne. Hoffentlich bleibt die neue parteiliche Presse von dem Rückfall in die Vergangenheit, in der die geistige Initiative zur Führung der Zeitung von der Parteileitung ausging, verschont. Ich möchte außerdem den Verleger sehen, der sich mit der Rolle des Windes, der das ersehnte Gewitter bringt, begnügen möchte!"

Florian Merz-Betz heute im RP-Aufsichtsrat

Noch heute gehört die Familie Betz zu den Gesellschaftern der "Rheinischen Post". Die Anton-Betz-Stif­tung der Rhei­ni­schen Post e.V. ist ein gemein­nüt­zi­ger Ver­ein zur För­de­rung von Wis­sen­schaft und For­schung. Enkel Florian Merz-Betz vertritt als zweiter stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat der "Rheinischen Post" die Interessen der Familie Betz. Ihm obliegt es, auch im Sinne von Anton Betz Entscheidungen der Geschäftsführung bei der "Rheinischen Post" zu begleiten und kritisch zu hinterfragen.

Bülend Ürük

Bei der RP Mediengruppe passiert unheimlich viel. Sie haben Informationen, Tipps, Themen? Ihre Einschätzungen - natürlich auch vertraulich - bitte per Mail direkt an chefredaktion@newsroom.de.