Vermischtes
KNA – Karin Wollschläger

Mitteldeutsche Volontäre starten Generationendialog zu Reizthemen: „Sag du mal!“

Volontäre der „Mitteldeutschen Zeitung“ und der „Magdeburger Volksstimme“ haben das crossmediale Projekt „Generationen im Gespräch“ gestartet. Unter dem Titel „Sag du mal!“ bringen sie zu politischen und gesellschaftlichen Reizthemen Jung und Alt in den Dialog.

Magdeburg (KNA) – In vielen Debatten zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen stehen sich Menschen mit unterschiedlichen Positionen sehr unversöhnlich gegenüber. Mitunter verläuft die Bruchlinie – so der Eindruck – zwischen den Generationen. Die 21 Volontärinnen und Volontäre der Zeitungen „Volksstimme“ und „Mitteldeutsche Zeitung“ aus Sachsen-Anhalt gehen dem in ihrem gemeinsamen crossmedialen Projekt „Sag du mal“ nach. Leitfrage ist: Verstehen sich Jung und Alt in Deutschland noch? Ziel des zeit- und arbeitsaufwendigen Projekts ist es, Klischees aufzubrechen und sichtbar zu machen, was Generationen trennt – aber auch, was sie verbindet.

 

In insgesamt sieben Folgen diskutieren jeweils zwei Vertreter unterschiedlicher Altersgruppen über ein kontroverses Thema, um herauszufinden, wo sie sich trotz verschiedener Lebensrealitäten und Ansichten noch zusammenfinden. Moderiert wird das Gespräch von einem der Volontäre. Die jeweils rund 25-minütigen Diskussionen erscheinen sonntags als Videoformat auf dem YouTube-Kanal „Hiya!“ sowie zwei Tage später begleitend auf Seite 3 der Printausgaben beider Zeitungen.

 

Ergänzend wird das Projekt über Social Media bei Instagram und TikTok, ebenfalls über die „Hiya!“-Accounts, mit zusätzlichen Inhalten wie Straßenumfragen begleitet. Dort stellen sich auch die Gesprächspartner vor und geben prägnante Statements ab. Die Projekt-Website www.sagdumal.de bündelt alle Inhalte und macht sie langfristig zugänglich. Auftakt war am 26. April.

 

Sicherheit und Freiheit: Debatte um Wehrdienst

In der ersten Episode treffen zwei Perspektiven direkt aufeinander: Der 46-jährige Hauptmann Alexander Helle, Personaloffizier bei der Bundeswehr, debattiert mit dem 18-jährigen Abiturienten und Schülervertreter Tony Pittschmann über die Pläne für einen neuen Wehrdienst. Während Helle den Dienst als notwendige „Lebensversicherung“ für Deutschland bezeichnet und die dort erlernte Kameradschaft und Disziplin hervorhebt, äußert Pittschmann deutliche Skepsis. Werte wie Verantwortung und Zusammenhalt könnten auch in Ehrenämtern, der Feuerwehr oder im Mannschaftssport vermittelt werden, so sein Argument.

 

Er sieht in einer möglichen Verpflichtung einen massiven Eingriff in die individuelle Freiheit Jugendlicher und kritisiert, dass „alte weiße Männer im Bundestag“ über die Köpfe seiner Generation hinweg entscheiden würden. Trotz der harten Fronten endet die Folge mit dem Angebot des Offiziers, den Schülervertreter zu einem Besuch in der Kaserne einzuladen.

 

Helikopter-Eltern – was bedeutet das?

In der zweiten Episode geht es um Erziehung im Wandel: Die 39-jährige Content-Creatorin und Mom-Fluencerin Julie Tan (@cocolie.brokkoli) und die 70-jährige ehemalige Kita-Leiterin Elke Schwabe aus Halle an der Saale diskutieren über Unterschiede zwischen DDR-Pädagogik und heutigen Konzepten wie bedürfnisorientierter Erziehung. Tan betont, dass auch die Bedürfnisse der Eltern, etwa nach Erholung und Grenzen, berücksichtigt werden müssten. Schwabe schildert die Situation in der DDR, in der Eltern oft strikt vom Kita-Alltag ausgeschlossen waren.

 

Einig sind sich beide in ihrer Kritik an der aktuellen Bildungspolitik: Personalmangel und unzureichende Planung gefährdeten die Qualität der Betreuung. Auch der Begriff der „Helikoptereltern“ wird thematisiert – Tan plädiert dabei für Differenzierung und verweist darauf, dass intensive Begleitung bei sensiblen Kindern notwendig sein könne.

 

Alle Beteiligten um konstruktiven Dialog bemüht

Die Diskutanten zeigen sich durchweg offen für den Austausch, weshalb sie auch gezielt von den Volontären ausgewählt wurden. Trotz gegensätzlicher Positionen enden beide Gespräche mit der Zusage, den Dialog bei Gelegenheit fortzusetzen – eine feste Abschlussfrage jeder Folge.

Ziel des Projekts sei es auch, neue Formate zu erproben und potenzielle Zielgruppen zu erreichen, erklärt Jessica Quick, Ressortleiterin für Sonderprojekte und Volontärsausbildung bei der „Mitteldeutschen Zeitung“. Gleichzeitig erhielten die Volontäre die Möglichkeit, ein größeres Projekt eigenständig umzusetzen.

 

Volontärin Theresa Gringmuth berichtet von umfangreichen Vorbereitungen seit dem ersten Brainstorming im August 2025. Aus einer Vielzahl von Themen hätten sich zwei Schwerpunkte herauskristallisiert. Für jedes Thema arbeiteten Teams an Recherche, Protagonistensuche, Organisation, Design sowie an der Umsetzung für Social Media und Video. Die Gespräche wurden im März aufgezeichnet.

 

Volo Jonas Lohrmann betont den Aufwand der Produktion: „Wir hatten vier Kameraperspektiven. Es war schon sehr aufwendig, das professionell für YouTube zu produzieren.“

 

Beide Volontäre ziehen ein positives Fazit: Die Arbeit sei intensiv gewesen, aber sehr lehrreich. Kommenden Sonntag (10. Mai) geht um 18 Uhr die dritte Folge online. Thema: „Sprechen wir dieselbe Sprache?“ Dabei geht es um TikTok, Rap-Songs und Anglizismen sowie die Frage, wie stark Social Media die Jugendsprache beeinflusst.

 

 

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