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Debatte um Julia Ruhs’ Islamismus-Reportage

Debatte um Julia Ruhs’ Islamismus-Reportage Julia Ruhs (Foto: BR / Vera Hutchison-Bird)

Der Islamrat hat wegen der ARD-Sendung „Klar“ Programmbeschwerde eingereicht. Der Vorwurf: Die Reportage zeichne ein verzerrtes Bild von Muslimen.

München (KNA) – Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland hat Programmbeschwerde gegen die am Mittwoch vergangener Woche (29.04.) ausgestrahlte Folge des Reportagemagazins „Klar“ mit Julia Ruhs erhoben. Die vom Bayerischen Rundfunk (BR) verantwortete Sendung „Wo Islamisten Deutschland unterwandern“ sei „einseitig, alarmistisch und gesellschaftlich gefährlich“, erklärte der Vorsitzende des Islamrats, Burhan Kesici.


Die Beschwerde richte sich nicht gegen die Berichterstattung über Extremismus, sondern gegen die pauschalisierende, antimuslimische Wirkung, die der Beitrag entfalte, so Kesici. Der 1986 gegründete Verband ist einer der größten islamischen Dachverbände in Deutschland und versteht sich als bundesweite Koordinierungsinstanz und gemeinsames Beschlussorgan der in ihm zusammengeschlossenen 37 Einzelorganisationen.

 

„Wir kritisieren nicht, dass öffentlich-rechtliche Medien über religiös begründeten Extremismus, Gewalt, Antisemitismus oder demokratiefeindliche Ideologien berichten. Das ist notwendig“, so Kesici. Der Beitrag verbinde aber sehr unterschiedliche Phänomene zu einer „alarmistischen Unterwanderungserzählung“ und stelle „muslimische Alltagspraxis und migrantisch geprägte Räume in einen problematischen Verdachtszusammenhang“.

 

Auch Beschwerden einer Neuköllner Grundschule

Über einzelne Passagen der im Wechsel von BR und Norddeutschem Rundfunk (NDR) verantworteten Sendung hatten sich bereits Eltern von Schülern und die Schulleitung einer Schule aus Berlin-Neukölln beschwert. Sie werfen den Machern der „Klar“-Folge über Islamismus vor, die Interviews mit den Kindern und der Schulleiterin über die religiöse und kulturelle Vielfalt an der Schule sowie damit zusammenhängende Probleme selektiv und einseitig abgebildet zu haben.

 

Der BR bestreitet dies, hat die in der Mediathek abrufbare Fassung der Sendung aber nachbearbeitet und die fraglichen Passagen mit den Kindern teilweise gelöscht. Laut BR habe die Redaktion die Schule von Beginn an über den Fokus der Dreharbeiten informiert. Dabei sollte es auch um „Fasten im Ramadan als Konfliktthema“ gehen, so der BR.

 

„Diese früheren Konflikte sind durch einen Elternbrief der Schulleitung dokumentiert, aus dem diese in der Sendung auch zitiert. Zugleich zeigt der Beitrag, wie sich die Schule seither erfolgreich für Toleranz einsetzt, und würdigt sie ausdrücklich als ‚Vorzeigeschule‘“, heißt es in einem Statement des Senders. Die Nachbearbeitung sei auf Bitten der Eltern „freiwillig und ohne Anerkennung jeder Rechtspflicht“ erfolgt.

 

BR hat Beitrag bereits geändert

Zur Programmbeschwerde des Islamrats teilte der BR mit: „Die Programmbeschwerde ist im BR eingegangen. Wir werden uns nun mit der gebotenen Sorgfalt inhaltlich damit auseinandersetzen.“

 

BR-Rundfunkrätin Sanne Kurz, die selbst als Filmemacherin und TV-Journalistin gearbeitet hat und als Landtagsabgeordnete für die Grünen in dem Gremium sitzt, sagte, sie fordere „eine vollumfängliche Aufklärung“. Dazu gehöre auch die Frage, ob bei den Dreharbeiten an der Schule mitgeteilt wurde, für welche Sendung die Aufnahmen gemacht worden seien.

 

Das 2025 gestartete Magazin „Klar“, mit dem die ARD konservativere Zielgruppen erreichen möchte, ist auch wegen seiner Moderatorin Julia Ruhs umstritten. Der NDR trennte sich im vergangenen Jahr nach drei Pilotsendungen von Ruhs. Die vom NDR verantworteten Folgen moderiert nun die frühere Chefredakteurin der „Bild“-Zeitung, Tanit Koch.

 

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